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oder überzählige Versfüße und sehr gewagte Reimversuche, mit derenNachweisung wir den Leser verschonen dürfen. Es liegt uns fern, einsolches Verfahren, das schließlich, wenn allgemein augewendet, zur Anar-chie führen müßte, zu rechtfertigen, aber es beweist den alten Satz, daßBeachtung der Kunstregeln allein nicht den Dichter macht.
Eine große Anzahl von Eichendorff's Liedern war, wie bereitserwähnt, durch vorherigen Abdruck in Zeitschriften und Taschenbüchernin Deutschland bekannt geworden, ja die schönsten derselben wurden be-reits damals, als die Gedichte zum ersten Male gesammelt erschienen,componirt von C. M. von Weber, Bernhard Klein und Mendelssohn,von Tausenden sangeslustiger Kehlen in die Lüfte gesandt. So er-zählt Wolfgang Müller von Königswinter aus jener Zeit: „Wenn ichmit meinen Künstlerfreunden in Düsseldorf und mit meinen Studien-genossen in Bonn zusammen war, so hatten wir die Schlegel, Tieck,Kleist und Brentano wohl gelesen, aber den lieben Eichendorff hattenwir gesungen. Wie oft waren da nicht die Klänge »In einem kühlenGrunde« zur Tageszeit in Wald und Feld, durch Berg und Thal undzur Nacht in den Straßen der Stadt aus unfern Kehlen geschmettertworden, denn dies Lied galt schon zu jener Zeit als Volkslied. Wirwanderten mit dem Gesang: »Wem Gott will rechte Gunst erweisen«und: »Es schienen so golden die Sterne«. Und dann hatte ja auchMendelssohn zu zwei Texten des Dichters: »Wer hat dich, du schönerWald« und »O Thäler weit, o Höhen« die wundervollen Melodieengefunden, die heute noch stets zum Vortrag kommen, wenn irgendwoQuartette erhoben werden. Solche Worte und solche Weisen hatten sichso tief in das Herz geschmeichelt, daß man den Urheber, auch ohne ihnzu kennen, lieb haben mußte." Auch die Malerwelt bemächtigte sich derEichendorff'schen Lieder, indem sie aus ihnen malerische Motive schöpfte,während fremdländische Poeten die schönsten derselben in ihre heimath-liche Sprache übertrugen, so Marmier, Borel und Bourges in die fran-zösische, Baskerville in die englische.
Indessen entsprach der buchhändlerische Erfolg der Gedichte nichtder Popularität des Dichters; sie erlebten erst nach sechs Jahren, 1843,die zweite Austage, 1850 die dritte, 1856 die vierte u. s. w. Dieschönsten Lieder des Dichters waren Lieder- und Notenbüchern einver-leibt, und daran ließ das deutsche Publicum, wie bei manchem an-dern Dichter, es sich genügen. Auch Anerkennung von hochgestelltenPersönlichkeiten wurde Eichendorff in reichem Maße zu Theil. Frie-drich Wilhelm IV., der Romantiker auf dem preußischen Königsthron,drückte ihm wiederholt das große Interesse aus, welches er an seinenGedichten nahm, so daß Eichendorff es wagen durfte, dem edeln König, mit