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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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liebte als Christ. Will man seine Liebeslieder charakterisiren, so stelleman an die Spitze das Gedicht:Der Gärtner", mit den lieblichen beidenStrophen:

In meinem Garten find' ichViel Blumen bunt und fein,

Viel Kränze wohl draus wind' ichUnd tausend Gedanken bind' ichUnd Griiße niit darein.

Ihr darf ich keinen reichen,

Sie ist zu hoch und schön,

Die müssen alle verbleichen,

Die Liebe nur ohnegleichen ^ ;

Bleibt ewig im Herzen steh'n.

Der Gegensatz der Eichendorff'schen Lyrik zu der Heine'schen, welchedamals wie jetzt in hohem Ansehen stand und zahlreiche Nachahmerweckte, ist ein schneidender. Für Eichendorff ist die Liebe etwas Heiliges, ^eine von Gott geadelte Empfindung, eine Kraft des menschlichen Herzens;Heine betrachtet sie meist als ein bloßes Spiel oder als ein Gefühl,über das man sich, wenn man sich ihm genügend hingegeben und es aus-gekostet hat, lustig machen kann; Eichendorff blickt zum Weibe hinauf,das Geschlecht ist ihm geadelt durch die hehre Jungfrau, welche der Weltden Erlöser schenkte; bei Heine läuft alles, verhüllt oder unverhüllt, aufden Genuß hinaus, für Eichendorff ist die Liebe das Mittel zu einerunauflöslichen LMes-'und Seelen-Gemeinschaft, in der das eine im an-^dern einzig sein Glück findet.

Und dieser durchgreifende Unterschied in.der Auffassung eines Ver-hältnisses, das auf der Scheide zwischen Idealität und Naturalismussteht, beruht einzig auf der grundverschiedenen Geistesrichtung der beidenhervorragenden Lyriker. Eichendorff war ein so überzeugnngstreuerChrist, ein so entschiedener Katholik, wie sie unter seinen romantischenKollegen selten genug waren. Wir haben ja schon gesehen, wie fest er imLeben und im Amte an seinem katholischen Glaubensbekenntnisse hingund eben so mannhaft verfocht er es in seinem Dichten. Am schönstenspricht sich seine katholische und fromme Gesinnung in den zahlreichengeistlichen Liedern aus, welche Innigkeit der Empfindung und Schönheitder Form vereinen. Besonderer Reiz ruht über den Muttergottesliedern,in welchen neben einer wahrhaft tiefen Verehrung sein ritterlicher Sinnsich deutlich ausspricht. Dasselbe unerschütterliche Gottvertrauen findenwir in Eichendorff's vaterländischen Gedichten, deren wir schon frühergedacht Habens.

y Wie I>r. Wilhelm Martens, Regens des Klcrical-Seminars zu Pelsllin, durchEichendorff's Gedichte dem katholischen Glauben zugeführt wurde, erzählt er selbst in Rosen-