Eine eben so süße Zauberei ruht in seinen Liedern. Sie lassen unsnicht los, sie klingen in unserer Seele wieder wie die unvergessenen Me-lodiken, welche in seliger Kinderzeit der Mund der Mutter uns sang.Es sind Lieder, in welche der Dichter die fesselnde Schönheit der Naturgebannt hat, daß sie von dort aus ihre unwiderstehliche Gewalt überden Menschen ausübt. Die besänftigende Stimmung des ruhigen Abendshat Niemand so treu wiedergegeben wie er in dem „Abend" betiteltenGedichte (Schweigt der Menschen laute Lust); den süßen Reiz der„Mondnacht" hat Niemand so geschildert wie er (Es war als hätt' derHimmel); und kein anderer Dichter hat die traumverlorene Stille derNacht so schön und innig zu malen verstanden wie Eichendorff in „Abend-ständchen" (Schlafe, Liebchen, weil's auf Erden). W. Scherer sagt mitRecht*): „Eichendorff weiß das Gemüth mit einem Zauberstabe zu rühren,daß alle verborgenen Quellen rauschen und die Schauer der Nacht unsumfangen oder die Berge, Wälder und Ströme zu unfern Füßen liegenund die Glocken im Thale klingen und der heilige Morgen um unsereSinne blüht."
Eichendorff's Poesie ist so recht die Poesie des Manderns, sie könnteuns verlocken, den Wanderstab zu ergreifen und in den rauschenden Früh-ling hinaus zu eilen. Er selbst ruft voller Sehnsucht:
Vöglein in den sonnigen Tagen!
Lüfte blau, die mich verführen!
Könnt' ich bunte Flügel rühren,lieber Berg und Wald sie schlagen!
Wandern mit leichtem Gepäck, ohne eine bestimmtes Ziel, nur immerin die duftende Natur hinein, stets bereit, abzuschweifen vom gebahntenWege und sich in geheimnißvollen Gründen zu verlieren, ein keckes Liedin die Lüfte schmetternd, jede Blume pflückend und jede Schöne grüßend,so zieht Eichendorff wie die Helden seiner Novellen vollen Herzens undoffenen Auges durch die Welt. Denn sein Wahlspruch ist:
Durch Feld und Buchcnhallen,
Bald singend, bald fröhlich still,
Recht lustig sei vor allem,
Wer's Reisen wählen will.
„Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt,"singt er und bedauert alle Jene, die im Thal verderben müssen in trüberSorgenhaft. Darum liebt er jene unstäten Burschen und legt ihnen gernseine Lieder in den Mund: die Musikanten und Schauspieler, Soldatenund Studenten, Jäger und Gärtner, und alle, die es lieben, in der freienNatur sich zu tummeln.