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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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können. Und da finden wir als die Mutter aller Schönheit das natür-liche, unwiderstehlich hervorquellende Gefühl, die innere Wahrheit der Em-pfindung und des Ausdrucks.

Eichendorff besaß sie ebensowohl wie die ungenannten Sänger ausdem Volke, welche uns mit unvergänglichen Liedern beschenkten. Nichtswar ihm verhaßter als Lüge und Unwahrheit, nichts widerwärtiger alsdie gefälschte Natur.Wie wollt ihr," läßt er sein Ebenbild FriedrichinAhnung und Gegenwart" sagen,daß die Menschen euere Werkehochachten, sich daran erquicken und erbauen sollen, wenn ihr euch selbernicht glaubt, was ihr schreibt, und durch schöne Worte und durch künst-lerische Gedanken Gott und Menschen zu überlisten trachtet? Das istein eiteles, nichtsnutziges Spiel und es hilft euch doch nichts, denn esist nichts groß, als was aus einem einfältigen Herzen kommt.Das heißt recht dem Teufel der Gemeinheit, der immer in der Mengewach und auf der Lauer ist, den Dolch selbst in die Hand geben gegendie göttliche Poesie." Er selbst sagt:

Was mir das Herz bewogen,

Das sagte treu mein Mund,

Und das ist nicht erlogen,

Was kommt aus Herzensgrund.

und:

Den lieben Gott laß in dir walten,

Aus frischer Brust nur treulich sing'!

Was wahr in dir, wird sich gestalten,

Das andre ist erbärmlich Ding.

So hat er gesungen, dem lebendigen Strom echten Gefühls in seinerBrust freien Lauf gelassen. Den größten Einstuß auf sein Dichten übtedie Natur aus, in deren unversiegliche Schönheit er sich von Kindheitan mit Leidenschaft versenkt hatte. Vielleicht war der Einfluß ein zumächtiger, denn er hat ihn verführt, ein schönes Bild, welches die Naturihm bietet, eine Empfindung, welche sie in ihm hervorruft, in derselbenTonart häufig zu besingen, wodurch in den Naturliedern eine gewisseEinförmigkeit entsteht. Es geht dem Dichter wie dem Knaben, von wel-chem er in dem reizendenFrühlingsnetz" singt:

Im hohen Gras der Knabe schlief,

Da hört er's unten singen,

Es war, als ob die Liebste rief,

Das Herz wollt ihm zerspringen.

So süße Zauberei ist los,

Und wunderbare Lieder

Gch'n durch der Erde Friihlingsschooß,

Die lassen ihn nicht wieder.