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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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Personen keine bloßen Scheinen und Typen, vielleicht nur hervorgebracht,den Geist des Verfassers zu beweisen, sondern echte wahrhafte Menschen,welche einfach aus sich herausgehen, sich geben wie sie sind.

Aenßerlich dagegen tragen Eichendorff's Novellen denselben Schnitt,dieselbe Farbe, welche wir bei den dichterischen Erzeugnissen der Roman-tiker beobachten, und insofern darf man ihn den letzten Ritter der Ro-mantik nennen. Sich den Regeln der Dichtkunst fügen, scheint philisterhaft;der Dichter gebietet über alles mit souveräner Gewalt. Nichts da vonruhiger, folgerichtiger Entwickelung, in welcher eine Scene sich nothwendigan die andere reiht, wo ein festes Ziel unverrückt im Auge gehaltenwird. Die Personen sind bis auf einige wenige, welche der Dichter ingeistiger Hinsicht nicht eben reich ausgestattet hat, von unwiderstehlicherWanderlust beherrscht; sie fliegen hierhin und dorthin, ohne ein anderesMotiv als ihre innere Unruhe; eine Lebensaufgabe kennen sie nicht, odersie wird ihnen am Schluß ihrer Pilgerreise gleichsam aufgedrängt.

Es ist eine wunderliche Gesellschaft von Poeten, Phantasten undsonstigen sogenannten nichtsnutzigen Menschen, mit welchen der Dichteruns bekannt macht. Sie stehen im Leben hülflos wie Kinder, aber Gottist mit ihnen: nie fehlt ihnen ein gastliches Haus, nie naht ihnen dieprosaische Sorge um leibliche Bedürfnisse, und wenn sie aufblicken, stehtein feueriger Renner vor ihnen, der sie schnell in die geliebte Ferne trägt.Sie berühren," sagt Heinrich Laubes,nur mit den Fußspitzen dieErde, sie leben von Aepfeln und Weintrauben, haben gar keine Galleund warten lächelnd des Glückes, das ihnen in den Schooß fallen wird."Sie leben mit und in der Natur, als wären sie mit ihr verwachsen.Jauchzend breiten sie die Arme der aufgehenden Sonne entgegen undblicken der verschwindenden nach, wie wenn sie ihr Liebstes verloren hätten.Aber dann naht die wundervolle Zaubernacht mit ihrem berauschendenDuft, ihrer süßen Stille und umfängt sie wie eine liebende Mutterihre Kindlein; in festem Vertrauen schmiegen sie sich an sie und ruhenan ihrer treuen Brust, und sie dürfen es, denn in den lauen Frühlings-nächten nur solche kennt Eichendorff setzt es keine Erkältung undkeinen Schnupfen ab. Vom klaren Himmel herab blickt der Mond,derromantische Lieblingstrabant", wie ihn Gottschall so treffend nennt,

! auf seine wackern Gesellen und hält als nimmermüder Wächter treue! Wacht. Und wenn es Morgen wird, so ziehen sie in den blüthenweißenFrühling hinein, singend und jauchzend, Lieder dichtend und componirend.Lieder erschallen von den Höhen und siehe, der Geist Apolls kommt überi die Wanderer und sie wissen sofort zu antworten in demselben Versmaß,

fl Erinnerungen, I 97.

Görres-Gcfellschaft. III. V-rcinSschrist sür 1887.

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