Zeitgenossen ihn als den legitimen Nachfolger des Alten von Weimarfeierten; er war ein geschmackvoller Anempfinder und ein eleganterbedeutender Schriftsteller. Seine Personen sind Schöngeister, welche vorlauter Aesthetik nicht zum wahren Empfinden kommen. Novalis floßüber von Tiefsinn und war unverständlich vor lauter Symbolik. DerMystiker in ihm verjagte fast den Dichter. Eichendorff dagegen hieltsich immer an dem, was dem Dichter Kraft verleiht, an der Natur, under stellte sich keine andere Aufgabe, als das Leben zu schildern im ver-klärenden Scheine der Poesie. Alle seine Novellen haben innere Wahr-heit und Gesundheit, weil sie beruhen auf dem festen Fundamente allerWahrheit und geistigen Gesundheit, auf dem unerschütterlichen Glaubenan eine höhere Weltordnung. Eichendorff erheuchelte keinen Glauben— er hatte ihn, und darum waren ihm alle Versuche der Frühroman-tiker, deren Bestrebungen er im Uebrigen so freudig begrüßte, ihrenDichtungen einen Schein von Katholicismus zu verleihen, in tiefster Seelezuwider. Deshalb läßt er in „Ahnung und Gegenwart" seinen Friedrichsagen: „Sind wir doch kaum des Vernünftelns in der Religion los undfangen dagegen schon wieder an, ihre festen Glaubenssätze, Wunder undWahrheiten zu verpoetisiren und zu verflüchtigen. In wem die Religionzum Leben gelangt, wer in allem Thun und Lassen von der Gnadewahrhaft durchdrungen ist, dessen Seele mag sich auch in Liedern ihrerEntzückung und des himmlischen Glanzes erfreuen. Wer aber hochmüthigund schlau diese Geheimnisse und einfältigen Wahrheiten als beliebigenDichtungsstoff zu überschauen glaubt, wer die Religion, die nicht demGlauben, dem Verstände oder der Poesie allein, sondern allen dreien,dem ganzen Menschen angehört, bloß mit der Phantasie in ihren ein-zelnen Schönheiten willkürlich zusammenrafft, der wird eben so gern anden griechischen Olymp glauben, als an das Christenthum, und eins mitdem andern verwechseln und versetzen, bis der ganze Himmel furchtbaröde und leer wird." Und so durchzieht Eichendorff's Dichtungen einwahrer, kindlich einfältiger Glaube, der nimmer von Zweifeln beängstigtwird, während bei den meisten Romantikern der Glaube benutzt wurdewie Rosenguirlanden bei einem glänzenden Fest.
Wahrhaftig wie in seinem Glauben war Eichendorff in seinemganzen Dichten. So wenig die Natur einen falschen Schein zu erheuchelnvermag, so wenig konnte er es, der nur in der Natur lebte und webte,welche er als Abglanz des göttlichen Wesens verehrte. Da ist keineironische Betrachtung der Welt und der Menschen, welche schließlich zurZersetzung führen muß, sondern eine theilnahmvolle Anschauung der ge-summten Schöpfung, jene liebevolle Versenkung in das Geschaffene, dasKleinste und Größte, welche den Humoristen eigen ist. Darum sind seine