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derselben Melodie. Nie fehlt auch die Guitarre, die anmuthigen Liederzu begleiten. Weiter und weiter geht es, die Gesellschaft vermehrt sich,wandernde Schauspieler, lose, kecke Gesellen und leichtgeschürzte Damenstoßen zu ihnen, und da zwischen Poeten und Schauspielern eine innigeVerwandtschaft herrscht, so werden sie gar bald befreundet. Hier wirdgetäudelt, dort geliebt, hier gescherzt und dort gestritten. Und nun gehtes frisch in die Romantik hinein. Auf hohen, halbverfallenen Schlössernmit weiten Parkanlagen, in denen verlorene Brunnen murmeln undweiße verfallende Marmorstatuen schimmern, wird gerastet, eine phantastischeGräfin ist rasch geneigt, sich in das romantische Spiel einzulassen, undso entstehen Verwechselungen und Vermummungen in bunter Folge.Mädchen verkleiden sich als Männer und Pagen und folgen unerkannt denGebietern ihrer Herzen; Personen, welche einander meilenweit entferntglaubten, finden sich plötzlich wieder, und andere verschwinden, wie wennder Erdboden sich unter ihnen geöffnet hätte. Gespenstische Erscheinungendrohen und schrecken, gewaltsamer Tod macht manchem Leben ein Ende.
Und wo geschieht das alles? Wir wissen es nicht! Zwar sindDeutschland und Italien die Länder, in denen der Dichter seine Geschichtensich abspielen läßt, aber wo in Deutschland und Italien, das sagt eruns nicht; er behandelt Schauplatz und Local, wie sein Vorbild Goetheim „Wilhelm Meister", mit höchster Gleichgültigkeit. Alle seine Land-schaftsbilder, deren unsagbarem Reiz sich Niemand wird entziehen können,sind Jdealgemälde; sie weisen auf keine bestimmte Gegend zurück undfassen alle landschaftliche Schönheit in sich. Ebenso ist es mit der Zeit.Wir ahnen aus vielen leicht aber mit Absicht hingeworfenen Andeutungen,in welcher Periode die Handlung spielt; aber wir wissen es nicht, weilder Dichter bestimmte Angaben gern vermeidet.
Eichendorff arbeitet nur in großen Zügen und ist ein entschiedenerFeind aller Detailmalerei, welche ihm durch die meist talentlosen Nach-ahmungen des großen Schotten durchaus verleidet worden war. Daszeigt sich besonders in der Art, wie Eichendorff seine Charaktere zeichnet.Nirgend wird man finden, daß er das Innere seiner Personen analysirt,
er stellt sie einfach hin, bringt sie in Bewegung, und nun muß sich in
echt dichterischer Weise aus ihren Aeußerungen und Handlungen ihreigentliches Wesen entwickeln. So machen es Homer und Goethe, so
macht es überhaupt der echte Dichter. Daß Eichendorff trotzdem keinevollkommen klare Umrisse hervorbringt, liegt in der oft betonten Schwächeseines Talentes begründet, das durchaus zur Lyrik neigte. Er schwelgtin Stimmungen und benutzt die Personen nur, um solche hervorzubringen.Das wird auch wohl immer ein Hinderniß bleiben für die weitere Ver-breitung der hier gekennzeichneten Erzeugnisse seiner Novellistik, den