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ein Mißstand für die Gattung, den Roman: allein man vergibt ihn hier,wo die Andeutungen so frisch, so hell und naturwahr sind und dem em-pfänglichen Gemüth die innerliche Ausführung und Ausmalung so viel,Vergnügen macht." So ist es in der That, nie und nirgend finden wireine Analyse der Leidenschaft bei Eichendorff, nie einen systematisch an-gelegten Dialog, der die Seelenbewegungen und den Fortgang der Ge-fühls-Anwandlungen darstellen soll, nie eine Beschreibung von Charakterenund dem Aeußern der Personen — immer nur blitzartige Andeutungen,welche aber genügendes Licht verbreiten, um unserer Phantasie für ihrestille, thätige Mitarbeit Anhaltspunkte zu geben. Wie immer, so erwecktEichendorff auch hier vorwiegend Stimmungen, denen unsere Seele sichnur zu gern überläßt. Wir folgen nicht, wie es sonst in der epischenDichtung der Fall ist und naturgemäß auch sein muß, den plastisch ans-gearbeiteten Gestalten, sondern dem Zauberstab des Dichters, der balddiese, bald jene Saite unseres Gefühlslebens berührt, daß sie melodischwiederklingt. Nie bringt Eichendorff unser Gemüth in stürmische Wal-lungen, sondern nur in jene angeregte Stimmung, welche uns für reinpoetische Eindrücke empfänglich macht.
Gewiß hat die Novelle auch ihre Mängel, sie sind dieselben, welchewir schon bei „Ahnung und Gegenwart" sowie bei den Dramen erwähnthaben, und die eine Folge der rein lyrischen Grundstimmung des Dichterssind. Es ist deshalb unnöthig, sie hier noch des Weitern hervor zu heben.Leider sind wir aber auch gezwungen, darauf hinzuweisen, daß ebensowie in „Ahnung und Gegenwart", auch hier die Sinnlichkeit allzu keckaus der Schilderung von Liebesverhältnissen hervorblickt. Eine Lecturefür die Jugend darf „Dichter und ihre Gesellen" deshalb nicht bilden.
Mit „Dichter und ihre Gesellen" schließt sich der Kreis der Eichen-dorff'schen Novellen, welche nach Inhalt und Darstellung als eigentlichromantisch sich kennzeichnen. Man darf nicht behaupten, daß zwischendem ersten und letzten Roman Eichendorff's ein wesentlicher Fortschrittsich zu erkennen gibt: sie weisen wie die zwischen ihnen liegenden Novellenim Wesentlichen dieselben Elemente und dieselben Mittel der Darstellungauf. In allen finden wir das um die Kunstregeln unbekümmerte Spielder Phantasie, welches sich als einziges Ziel gesetzt hat, dem Leben einentiefern Sinn zu verleihen und in alle Geschehnisse den reichen Schatzeigenthümlicher Anschauung zu versenken. Das Bestreben der Romantiker,die Wirklichkeit mit dem Schimmer der Poesie zu überkleiden und nichtsso darzustellen, wie es ist, ohne aber den Boden der Wirklichkeit zu ver-lassen, zeigt sich auch hier, aber in einer Weise, welche von Tieck'scherManier weit entfernt ist und in ihrer dichterischen Färbung selbst Novalisübertrifft. Tieck ist nie ein echter Dichter gewesen, obgleich viele seiner