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dieser: „Zu Pferde muß man den berühmten Victor sehen, im Walde,aus der Jagd, auf dem Felsen, wo allen Andern schwindelt — mit EinemWort: das ist ein rechter Mann! Das Berühmtsein und Versemachenist nur so Lumpenzeug dagegen, wie eine Schabracke auf einem schönenRoß, und er selber gibt nichts darauf." Von denselben Ansichten ist seineGattin erfüllt, welche wegen ihres Neffen Otto gerechte Besorgniß hegt.Sie meint, Versemachen sei ein bloß „herrschaftliches Vergnügen", das derGraf sich wohl erlauben könne und dürfe, Otto solle sich auf seine „Brod-wissenschaften setzen" und dann eine vernünftige Frau heirathen. Ebensopraktisch ist der Oberförster gesinnt, der den neuesten Dramen nachrühmt,sie seien wieder ganz „vernünftig und familiair", so recht aus dem Lebengegriffen. Damit kennzeichnet der Oberförster, ohne es zu wollen, dieganze Misere des damaligen Theaters. Zwischen den hier gekennzeichnetenbeiden Gruppen stehen noch ein paar Personen, welche den Uebergangvermitteln, die Maler Guido und Albert, während Cordelchen den äußer-sten linken Flügel der Poetischen bildet. Sie zeigt die Verderblichkeitder äußersten Consequenzen des phantastischen, fessellosen Lebens undfindet im Wahnsinn ihr Ende.
So sehen wir in einem ungemein färben- und personenreichen Ge-mälde „die Gegensätze der Begeisterung in den verschiedensten Formen: vonUnschuld, Natur, Leichtsinn bis zum Heroismus, Abenteuerung, Phantastik— in den manchfaltigsten Abstufungen: von kindlicher Hoffnung bis zurSünde, vom edelsten Glauben und Muth bis zum lächerlichen Wahnwitz,zur traurigen Bethörung, zum unentwirrbaren Spiele mit sich selbst" ^).Groß angelegt und in jenem idealen Stile, welchen wir schon an Eichen-dorff's Erstlingsroman „Ahnung und Gegenwart" kennzeichneten, ist auchdiese Novelle. Niemand wird sagen können: das ist Wirklichkeit;denn ein solches Gesammtbild findet sich nie und nirgends. Niemandwird aber auch behaupten dürfen: das ist Phantasie; denn das lus-tige Gebilde ist mit tausend Fäden am Boden der Wirklichkeit ange-heftet, es ist wie traumhaft, ein liebliches Gemisch von Wahrheit undDichtung. Ueber den Gestalten ruht ein Zauber, der nicht in seine Be-standtheile zerlegt, sondern nur mitfühlend genossen werden kann. Eininniges Versenken in die Dichtung, welches nur möglich ist, indem unserePhantasie in Mitthätigkeit geräth,läßt uns immer neue Schönheiten entdecken.„Eichendorff gibt von dem, was er sagen will," meint Gutzkow mit Recht,„immer nur die eine Seite; die andere klingt in dir nach, und du bist ge-zwungen, seine ganze Darstellung wie eine Kupferplatte noch ein Mal auf-zustechen und das auszuführen, was der Dichter nur andeutete. Das ist
I 318^ 315. — Beiträge zur Geschichte der neuesten Littcratur, 1836,