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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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Victor-Lothario ist ebenfalls nicht geneigt, die gebahnten Wegeder Alltagsmenschen zn wandern; auch er liebt es, nach rechts und linksje nach rasch wechselnder Stimmung abznbiegen und unbekannte Gebieteabzustreifen; aber er bleibt stets Herr seiner selbst und läßt sich von denlockenden Bildern, welche seine stets geschäftige Phantasie ihm vormalt,nicht unterjochen; er commandirt die Poesie, und nicht sie ihn. Sotreibt er sich unter angenommenem Namen unter dem leichtfertigen Völk-chen der wandernden Schauspieler herum, immer forschend, in die Tiefeblickend und alle Verhältnisse bei Hoch und Niedrig betrachtend, um denGegensatz von Schein und Mkkii^ert zu ergründen. Er fühlt es wohl:nie kann er letztere in Einklang bringen mit der hohen Vorstellung, welcheer in seiner Seele hegt, sie wird immer weit hinter seinen ErwartungenZurückbleiben. So kann es seinen scharfblickenden Geist nicht befriedigen,daß die Menge seinen dichterischen Produktionen zujanchzt und seinenNamen denen der besten Poeten für ewige Zeiten anreiht; sieht er doch,wie wenig wahres Verständniß er erwarten darf; wie das mit seinemHerzblut geschriebene Schauspiel vom Publicum mit einem Beifall aus-genommen wird, der vom Mißverstehen das beste Zeugniß gibt. Sogelangt er allmälig zu einem Pessimismus, der ihn, wenn er sich nichtein gläubiges Herz bewahrt hätte, zur Verzweiflung treiben müßte, derihn aber nun zum geistlichen Staude führt.Was wär' denn Poesie,"sagt er, als man ihm vorwirft, er gäbe dann sein großes poetisches Ta-ent von sich wie ein Verschwender,wenn sie in feinem Goldschnitt aufeiner Morgentoilette durchzublättern wäre? Talent! Das ist nur einBlitz, den der Herr fortschleudert in die Nacht, um zu leuchten, und dersich selbst verzehrt, indem er zündet. Nein, Freunde, genug endlich istdes weibischen Sehnens; wer gibt uns das Recht, zu klagen, wenn Nie-mand helfen mag! Nicht morsche Mönche, Quäker und alte Weiber; dieMorgenfrischen, Kühnen will ich werben, die recht aus Herzensgrundnach Krieg verlangt. Auch nicht über's Meer hinüber blick' ich, wounschuldige Völker unter Palmen vom künftigen Morgenroth träumen;mitten auf den alten, schwülen, staubigen Markt von Europa will ichhinuntersteigen, die selbstgemachten Götzen, um die das Volk der Renegatentanzt, gelüstet's mich, umzustürzen und Luft zu hauen durch den dickenQualm, daß sie schauernd das treue Auge Gottes Wiedersehen im tiefenHimmelsgrunde." Und wie ein gottbegeisterter Seher ruft er den scheidendenFreunden, als sie hoch oben auf einem Hügel stehen, zu:Wie's da untennebelhaft sich durcheinanderschlingt! Man hört schon Stimmen da unddort verworren aus dem Grunde, Commandoruf und Trompetenklängedurch die stille Lust und Morgeuglocken dazwischen und den Gesang ver-irrter Wanderer. Und wo die Nebel auf einen Augenblick sich theilen,