ist's nichts." Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß wir eshier im Grunde mit Eichendorff's eigensten Ansichten zu thun haben,denn sie stimmen genau mit den vorhin charakterisirten Aeußerungen über-ein und finden später noch, wie wir zeigen werden, ihre Bestätigung.
Im Uebrigen spielt die Politik in „Dichter und ihre Gesellen" eineganz unbedeutende Rolle, die Novelle will in der That uns keine andereGesellschaft vorführen, als welche im Titel angegeben ist und damit einThema weiter ausspinnen, das bereits in „Ahnung und Gegenwart" sowieim „Marmorbild" berührt worden ist: die Stellung der Poesie zumMenschen und zum Leben. Eine Gesellschaft von Poeten und andernphantasiebegabten Personen ist es, an denen der Dichter den Grund-gedanken seiner Novelle demonstriren will, und dieser Grundgedanke istkein anderer als der bekannte Goethe'sche Ausspruch, daß die Poesie wohldes Lebens Begleiterin, nicht aber Führerin sein könne. In den Mittel-punkt stellt er zwei wirkliche Dichter, Victor, der unter der MaskeLothario's reist, und Otto; dem ersten ist die Poesie eine Dienerin, demletztern absolute Beherrscherin. Einen besondern Lebenszweck haben beideeben so wenig wie die Personen in „Ahnung und Gegenwart"; sie gehenhöchst unbesorgt von dem einen Tag in den andern, lassen sich von ihrenwechselnden Stimmungen bald hierhin, bald dorthin führen, nähren große,weit über die Alltäglichkeit sich erhebende Gedanken in ihrem Geiste undgelangen plötzlich ziemlich unvermittelt zum Ende oder zu einem Ziele.Otto geht an seinen Phantasieen zu Grunde. Da er sich die Poesie zurFührerin erkoren hat, oder vielmehr, da er keinen andern Leitstern inseinem bewegten Leben kennt, als sein verwöhntes, von der Wirklichkeitabgekehrtes Herz, so muß er ans Irrwege gerathen, welche ihn zu einemfrühen Ende bringen. Sein ganzes Leben besteht im Kampfe zwischenIdeal und Wirklichkeit; es gelingt ihm nicht, diese beiden großen Gegen-sätze, die Quelle des Weltschmerzes bei den Poeten aller Zeiten undVölker, zu versöhnen und zu einer neuen Anschauung zu gelangen. LieberSchweine hüten will er, „als so zeitlebens auf der Treckschuite gemeinerGlückseligkeit vom Buttermarkt zum Käsemarkt fahren". Ganz consequentund den Neigungen der Dichter entsprechend sucht er Vergessen beimWeibe; er liebelt mit Cordelchen, einer leichtfertigen Schauspielerin —einer bei Eichendorff beliebten Figur, zu welcher Goethe's Philine in Wil-helm Meister das Vorbild geliefert —, und verheirathet sich in Italienmit einem schönen jungen Mädchen, das seinen Feuergeist nicht zu be-greifen und ihn nicht dauernd glücklich zu machen vermag. Sie wirdihm untreu, und er -— zieht mit Cordelchen wieder nach Deutschland!Aus der Reise überfällt den Ueberreizten ein Fieber, das ihn schnell da-hinrafft.