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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
Entstehung
Seite
71
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erst langsam, dann geschwinder und immer geschwinder mir vergingendie Gedanken, ich stürzte besinnungslos zu Boden", d. h. wurde wach.

^Die Satire ist bitter, sehr bitter. Die liberalen Doctriuaire undFreunde der Verfassung nehmen sich in ihrer hülflosen Stellung außer-ordentlich lächerlich aus und erscheinen lediglich als Sklaven der öffent-lichen Meinung. Sodann erhält das Scheinkönigthum Louis Philippe's,des Tyrannen mit dem Regenschirm, seine Hiebe. Der Schluß, mit wel-chem das allgemeine Chaos hereinbricht, ist eine nothwendige Folge derganzen Tendenz, wie sie sich in der Anlage kundgibt.

Nachdem Eicheudorff sich so mit der Politik aber nicht fürimmer, denn das Jahr 1848 bot ihm neue Gelegenheit auseinander-gesetzt hatte, wandte er sein Augenmerk ans die zeitgenössische literarischeBewegung und fand hier noch mehr Veranlassung, seiner satirischenLaune die Zügel schießen zu lassen. Zu Anfang der dreißiger Jahremachte sich in der deutschen Poesie ein neuer Geist bemerkbar, dessenRichtung mit der politischen Bewegung der Zeit in engem Zusammen-hang stand. Wie das Volk nach Befreiung aus den Banden engherzigerBevormundung strebte, so suchte eine Gruppe junger Schriftsteller undDichter auch jene Fesseln von sich zu werfen, welche der menschlichenNatur für ewige Zeiten auferlegt sind, die Fesseln der Moral und Sitte.Sie vereinigten in sich einen politischen und sittlichen Radicalismus.Ganz spontan war ihnen dieser Geist nicht gekommen, obgleich ja dieKetten des Metternich'schen Regimentes kühne Geister zum Zerreißen der-selben anspornen mußten; Byron war ihnen schon vorangegangen, der inunverhülltester Weise und bejubelt vom gesammten sogen, gebildeten Publicumdes Continents das Evangelium der freien Liebe gepredigt hatte. Heine,der durch sein Buch der Lieder und seine Neisebilder sich im Sturm einengroßen Leserkreis erobert hatte, verbreitete gleiche Tendenzen, indem erZeitschriften und Taschenbücher mit seinen Produkten überschwemmte.Heinrich Laube und Karl Gutzkow traten mit ihren ersten Schriften her-vor, welche bereits sattsam verriethen, welche Ziele ihre Verfasser ver-folgten, so daß der Bundesrath sich im Jahre 1835 bewogen fand, ihreWerke die schon existirenden und zukünftigen! zu verbieten. In-dessen zeigten diese jungen Leute, welche aus der Zeit für die Zeitschrieben, doch wenigstens Originalität und Talent; die andere Richtungaber, welche zu jener Zeit recht eigentlich die herrschende genannt wer-den konnte, war die Litteratur der goldenen Mittelmäßigkeit und des un-fruchtbarsten Philisterthums. In Zeitschriften und unzähligen Taschen-büchern, sowie in bändereichen Romanen und Novellen machten sichSchriftsteller breit, welchen die Poesie verächtlich den Rücken gedrehthatte, und die lediglich darauf ausgingen, dem tief gesunkenen Geschmack