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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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des Publicums zu dienen. Wer den Katalog einer Leih-Bibliothek ausden Jahren 18251835 zur Hand nimmt, muß staunen über dies Wirr-sal von seltsamen Titeln, welche die neuern Colportage-Romane an Ge-schmacklosigkeit übertreffen. In den Romanen selbst geht spießbürgerlicheMoral neben verhüllter Sinnlichkeit, welche Hauff in seinemMann imMond" so trefflich persiflirte.

Beide Richtungen stimmten aber darin überein, daß sie die Befrie-digung des Publicums als ihr höchstes Ziel betrachteten. Hier knüpfteEichendorff in seinem MärchenViel Lärmen um nichts" (1833) anund schuf eine heitere Verspottung sowohl des Publicums wie der Dichterbezw. Novellisten. Es zeugt für das fortdauernd gute Verhältniß, inwelchem Eichendorff zu Clemens Brentano stand, daß dieses sein Werkmit der Humoreske Brentano's:Die mehreren Wehmüller" zusammen ineinem Bande erschien. Eichendorff stellte in seinem Märchen in den Vor-dergrund den Herrn Publicum, welcher von schmeichelnden Novellistenumschwärmt wird, die ihn gern mit der Gräfin Aurora vermählen möch-ten. Und in der That, es gelingt, obgleich auch der schöne Prinz Ro-mano nach ihrer Hand strebt. Als Herr Publicum aber die Gräfin ge-heirathet hat, stellt sich heraus, daß er statt der Rachel die Lea, stattder Gräfin die Kammerjungfer heimgeführt hat. Die Tendenz der Ge-schichte, welche, nur nicht aus derselben Absicht, genau so schließt wie derTaugenichts, liegt also klar zu Tage. Herr Publicum huldigt zwar derPoesie, vermag aber die wahre von der falschen nicht zu unterscheiden,weil er bloß auf Aeußerlichkeiten sieht und sich von den Novellisten seinUrtheil machen läßt. Deshalb ergießt sich auf ihn auch der ganze Hohndes Dichters. Herr Publicum leidet an einem alten Uebel, das ihnhäufig und unversehens überfällt, an der Langweile; Essen und Trinkenist seine Hauptbeschäftigung, bei welcher ihn selbst seine angebetete Auroranicht stören darf; eigene Gedanken hat er nicht, er muß überhaupt erstdurch Andere auf Gedanken gebracht werden, dagegen ist er groß in derIndustrie, der Gegenfüßleriu der Poesie. Trotz alledem reißen sich dieDichter um ihn und umschmeicheln ihn in widerlicher Weise, während derUndankbare doch schnell dabei ist, diejenigen von ihnen abzusetzen, welchesich in seiner Gunst nicht zu halten vermögen.Der Entschlafene," sagtLeontin sarkastisch von einem abgethanen Poeten,war in der letztenZeit als Hofdichter beim Herrn Publicum angestellt. Das ging auchanfangs vortrefflich; er wurde gehauen, geschnitten, gestochen, ich meinein Stein und Kupfer; die Damen rissen sich ordentlich um seine Ro-mantik. Als sie nun aber nach und nach ein wenig abgerissen wurde,da war nichts weiter dahinter. Es war ein Scandal! Er konnte nichtso geschwind die neumodische klassische Toga Umschlagen, verwickelte sich