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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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October 1840 besuchte er Tieck in Dresden, wie aus einem BriefeSchön's an seine Frau hervorgeht; ob er nähere Beziehungen zu demAltmeister der Romantik angeknüpft, ist uns nicht bekannt.

Im Jahre 1832 traf unfern Dichter ein harter Schlag. Seinjüngstes Töchterchen Anna, welches ihm besonders an das Herz gewachsenwar, starb am 24. März 1832, kaum zwei Jahre alt. Er hat demSchmerz, welcher lange Jahre nachher noch sein Herz bedrückte, einenrührenden Ausdruck gegeben in den zehn GedichtenAus meines KindesTod", von denen das vierte lautet:

Das ist's, was mich ganz verstärkt,

Daß die Nacht nicht Ruhe hält,

Wenn zu athmen aufgchöretLange schon die müde Welt.

Daß die Glocken, die da schlagen,

Und im Wald der leise WindJede Nacht von neuem klagenUm nicin liebes, süßes Kind.

Daß mein Herz nicht konnte brechenBei dem letzten Todeskuß;

Daß ich wie ini Wahnsinn sprechenNun in irren Liedern muß!

Die dreizehn Jahre, welche Eichendorff in glücklichen, oder wenig-stens befriedigenden Verhältnissen in Berlin verbrachte, gehören zu denfruchtbarsten seines Lebens. In dieser Zeit entstanden Schauspiele,Novellen, Gedichte und eine Reihe von politischen und litteratur-historischen Artikeln, welche sämmtlich in höherm Grade, als es bei denbisherigen Erzeugnissen seiner Muse der Fall war, eine bestimmte Rück-sichtnahme auf die Zeitereignisse bekunden. Schon an dem RomanAh-nung und Gegenwart" sowie an den beiden KomödienKrieg den Phi-listern" undMeierbeth's Glück und Ende" haben wir gesehen, daß erein offenes, kritisch blickendes Auge hatte für alles, was in Welt undLitteratur vor sich ging; in Berlin, im Mittelpunkt des geistigen Lebensder ganzen Monarchie, in der Atmosphäre der hohen Politik, mußte ereinen weitern Gesichtskreis gewinnen, weit stärkere Anregungen erhaltenals in Königsberg. Die Zeitereignisse und die durch sie entstandenenstarken Bewegungen innerhalb der Völker fast aller civilisirten Staatenveranlaßten ihn zu einer Reihe von Aufsätzen über politische Fragen, wielieber Versassungsgarantieen",Preußen und der Constitutionalismus",Die Preßgesetzgebung der constitutionellen^Staaten",In Sachen derPresse",Der moderne Liberalismus", von denen nur der erste nachdes Dichters Tode in der Sammlung seiner vermischten Schriften abge-