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Briefe an Gustav Schwab: „Eichendorff hat einige graue Haare, aberein jugendliches Gesicht und ein feueriges Auge; er ist von einerAtmosphäre natürlicher Güte umgeben und aus feinem Betragen sprichteine Heiterkeit, in deren leichten Tönen ein aufmerksameres Ohr denGrundton einer gewonnenen Ruhe und vergangener innerer Siege wohlvernehmen kann. Ich glaube aber nicht, daß er jemals im Leben, wennauch aus dem Frieden, aus der Kindlichkeit herausgerissen worden ist;sie ist ihm noch rein natürlich, .wie seine Bescheidenheit, sein Humor,seine freundlich blühenden Gedanken, sie vereinigt sich schon mit jenemGleichmuth, welcher nur durch Erfahrung erobert wird." Und Wolf-gang Müller von Königswinter, der spätere rheinische Dichter, welcherebenfalls zu den jüngern Freunden Eichendorff's zählte, schreibt im Jahre1839 von ihm^): „In seinen bürgerlichen Verhältnissen war er vorallem Beamter. Seine Poesie schien das stille Heiligthum seiner Seele;er hielt nicht zurück mit ihr, weil er sie als eine Gabe Gottes betrach-tete, aber er drängte sie auch nicht auf. So fand man denn bei ihmkeine literarischen Cirkel, er genügte sich selbst, er glich dem süßen Vogel,der einsam in einer Ecke des Gartens sitzt und sein Lied singt, so oftes ihm ankommt, sich wenig kümmernd, ob man ihm lauscht oder obman seine Töne überhört. Aber es freute ihn doch, daß man ihm wirk-lich froh und herzlich gelauscht hatte. Mit leisem, wohlwollendem Lächelnhörte er mir zu, wenn ich ihm erzählte, daß die Künstler und Studentenseine Lieder in alle Welt trügen, und daß ich selbst immer tapfer dabeigewesen wäre. Als er nun auch erfuhr, daß ich auf der Guitarre klim-perte und viele seiner Dichtungen auswendig wußte, da wurde, wenn ichkam, ein Instrument herbeigeschafft und ich versuchte die fast schon ver-gessene Kunst des rheinischen Naturgesanges. So gut und schlecht dieVersuche auch geriethen, so hatte er doch Freude, die hell über seinemilden Züge glänzte, wenn ich anhob."
Während seiner dreizehnjährigen amtlichen Stellung in Berlin hatEichendorff, einige Besuche in seiner Heimath ausgenommen, nur einegrößere Reise gemacht, und zwar im Jahre 1838, wo er Süddeutschlandbereiste und sich längere Zeit in Wien, Salzburg und München aufhielt.In Wien traf er nach langer Trennung wieder ein Mal mit seinemBruder zusammen und hatte mehrere Unterredungen mit dem FürstenMetternich, deren Gegenstand der kirchlich-politische Streit in Preußenbildete. In München war er Gast seines alten Freundes Clemens Bren-tano, welcher den ganzen Tag mit ihm herumzog und ihm alle Sehens-würdigkeiten der baierischen Hauptstadt persönlich zeigen wollte. Im
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