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Heyse. Sehr viel verkehrte Eichendorff in dem Hause des Banqniers Abra-ham Mendelssohn, des Vaters des Componisten Felix Mendelssohn, welch'letzterer so vielen Liedern Eichendorff's eine seelenvolle Melodie ver-liehen hat. Felix Mendelssohn liebte die Gedichte Eichendorff's fast ebenso sehr wie die Goethe's und trug sie auf allen seinen Reisen mitsich. Seine letzte Composition war die des Nachtliedes „Vergangen istder lichte Tag" fl, welche beim Vorspielen auf den von Todesgedankenerfüllten Componisten selbst eine solche Wirkung ausübte, daß er einerOhnmacht nahe war, und ans seinem Grabstein stehen, seinem eigenenWunsche gemäß, die Eichendorff'schen Verse: „Gedanken geh'n und Liederfort bis in's Himmelreich."
Lange Jahre hindurch war unser Dichter Mitglied der sogenanntenlittcrarischen Mittwochs-Gesellschaft fl, welche in einem Local des Thier-gartens ein Mal wöchentlich ihre Sitzungen abhielt. Für sie dichtete erdie beiden Tafellieder „Der alte Held" — zu Goethe's Geburtstag 1831— und „Viele Lerchen hell erwacht". Doch auch er selbst pflegte inseinem Hause an der Potsdamer Straße (vor dem Leipziger Thori einezwanglose Geselligkeit, indem er an bestimmten Abenden in der Wocheseine Freunde und littcrarischen Bekannten um sich versammelte. Daßdiese Zusammenkünfte nichts mit jenen schwächlichen Thee-Abenden derBerliner Gesellschaft gemein hatten, wo in sentimental-schwärmerischerWeise der Cultus des Schönen betrieben wurde, dafür bürgt uns diePerson des Dichters, welcher, jeder Gezwungenheit und jedem anmaßlichenHerauskehren der littcrarischen Meinung entschieden abhold, jene Thee-Abende selbst in „Ahnung und Gegenwart" mit beißendem Hohn über-schüttet hatte. Einen bestimmten Zweck hatten seine Abende überhauptnicht; sie waren, zumal die Besucher den verschiedensten Berufsklassen an-gehörten, lediglich einer heitern Geselligkeit gewidmet. Auch Luise Henselwar ein häufiger Gast bei diesen schönen Zusammenkünften. Selbstredendwar Eichendorff ihr Mittelpunkt und er mußte es sein, nicht etwa, weilman einen so bedeutenden und angesehenen Dichter in ihm verehrte, sondernweil seine Person von einer hinreißenden Liebenswürdigkeit umflossenwar. So sagt der geistvolle Litteratur-Historiker Adolf Schöll, einjüngerer Freund Eichendorff's, am 16. September 1832 in einem
fl Lampadius, Felix Mendelssohn, 354. — fl Die Gesellschaft wurde, wie Gubitz inseinen „Erlebnissen" (Bd. III, S. 136, 137) erzählt, am 26. October 1824 von Hitziggestiftet. Das Grundgesetz lautete: „Nichts darf vorgelescn werden, was von einem derMitglieder verfaßt worden; ebensowenig von Gästen etwas, was diese selbst gedichtet haben."Später kam folgender Zusatz hinzu: „Keines der Mitglieder darf über die Gesellschaft etwasdrucken lassen, sei es tadelnd, lobend oder bloß berichtend, indem sie unter allen Umständender Oesfentlichkeit fremd bleiben will."