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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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lische Kirche Preußens überhaupt in so vieler Beziehung den größtenDank schuldet. Es läßt sich begreifen, daß es dabei außerordentlich vielzu thun und zu schaffen gab. Hier war nicht entfernt die Rede voneinem sichern Verwalten nach klaren, durch eine höhere Instanz schonfestgestellten Grundsätzen; hier galt es, diese Grundsätze und Normen erstselbst zu finden, ihre prompte und umsichtige Handhabung durch dieUnterbehörden zu leiten und zu überwachen, zumal in jener Zeit des Ueber-ganges aus der alten in die neue Ordnung der Dinge, die mit der Thron-besteigung Friedrich Wilhelm's IV. angebahnt worden war. Dabei warendie Geschäfte, welche die höchsten Interessen von Staat und Kirche be-rührten, ihrer Natur nach und durch die Mitwirkung äußerer Umständefast ohne Ausnahme sehr epinöser Art; keine anscheinend noch so gleich-gültige Frage, die nicht ihre besondere sorgsame Behandlung erforderthätte, bei der nicht collidirende Einflüsse von oben und unten abzuwehrenund auszugleichen gewesen wären. Die Acten des Ministeriums ergeben,welche rastlose, durchdachte und erfolgreiche Thätigkeit Eichendorff damalsentfaltete, und wie ihm dafür auch stets nicht nur die bereite Anerken-nung seines Chefs, sondern auch das volle Vertrauen der Verwaltetenzu Theil geworden ist. Die Beschäftigung gerade in diesem Zweige derVerwaltung entsprach übrigens so sehr auch seinen Neigungen, daß esihm durchaus nicht unerwünscht war, als die langbetriebene Einrichtungeines Obercensur-Collegii fehlschlug, bei welchem man ihm eine einfluß-reiche Stellung zugedacht hatte, und ebenso später die beabsichtigte Ver-wendung im Departement der auswärtigen Angelegenheiten wieder rück-gängig wurde." Leider werden die Acten der jetzt aufgehobenen katho-lischen Abtheilnng sorgfältig unter Schloß und Riegel gehalten, so daßes nicht möglich ist, ein Bild der amtlichen Thätigkeit Eichendorff's,welche sich unter so äußerst schwierigen Verhältnissen vollzog, zu ent-werfen. Gewiß kam er oft mit seinem Gewissen und eben deshalb auch mitseinen Vorgesetzten in Conflict; jedenfalls aber ist seinem Einfluß mancheMaßregel zu danken, welche Schlimmes verhütete, und sicherlich hat er- manche Verordnung verhindert, welche, aus Unkenntniß katholischer Dingehervorgegangen, nur Unheil hätte anrichten können.

Schon bald nach seiner Ankunft in Berlin knüpfte Eichendorff einenregen Verkehr an mit den Größen der Litteratur, Kunst und Wissen-schaft, welche die Hauptstadt des preußischen Staates damals in ihrenMauern beherbergte, so mit Savigny, dem berühmten Rechtsgelehrtenund treuen Katholiken, Karl von Raumer, Adalbert von Chamisso, Cri-minal-Director Hitzig u. A. Zu des Letztem Enkelin, welche aus einerEhe Franz Kugler's, des Kunsthistorikers, mit einer Tochter Hitzig's ent-sprossen war, wurde er Pathe; Kugler's Tochter heirathete später Paul

Görres-Gesellschaft. III. Vereinsschrift für 1887. 5