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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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das Capitel einen Frieden geschlossen, welchem Plauen nicht traut; erwill dem König von Polen von neuem den Krieg erklären, um ihn fürimmer, mindestens für sehr lange Zeit unschädlich zu machen. Die Noth-wendigkeit eines neuen Krieges ist seine feste Ueberzeugung, und als dieRitter sich gegen ihn erklären, geht er, die Satzungen des Ordens ver-achtend, auf eigene Faust vor. Darin liegt seine Schuld und der Keimseines Unterganges. Er erstrebte Hohes mit falschen Mitteln. DerOrden entsetzt ihn, Polen erhebt sich auf die Nachricht hin in blutigemAufstand, und der Jammer der Zeit bricht dem Meister das Herz.Plauen's Schicksal ist weit mehr geeignet, unsere Theilnahme zu weckenund festzuhalten, als das Ezzelin's. Plauen vergreift sich in den Mitteln,ein edeles Ziel zu erreichen, bei Ezzelin aber ist das Ziel selbst keinedeles, es ist ein rein selbstsüchtiges. Damit ist der Unterschied zwischenbeiden Charakteren von selbst gegeben.

Indessen ragtDer letzte Held" auch nach anderer Seite überEzzelino" hervor. In ihm ist weit mehr dramatisches Feuer, die Grup-pirung der Charaktere ist kunstvoller und durchdachter, und der Aufbaudes Ganzen mit durchaus sicherer Hand geleitet. Wenn wir inEzze-lino" die schroffe Gegenüberstellung der Charaktere vermissen, welcheallein im Drama den Knoten zu schürzen und Spannung hervorzurufenvermag, so haben wir dagegen imletzten Helden" einen völlig klarenEinblick in das ganze Getriebe. Jeder Charakter ist ausgearbeitet undnimmt seine bestimmte Stellung ein, so daß wir nicht, wie beiEzzelino",nach seiner Berechtigung zu fragen genöthigt sind. Aber beiden Dramen ge-meinsam ist die kraftvolle Sprache, welche trotz ihrer alleweg vornehmenHaltung durchaus der Wirklichkeit entspricht. Rede und Gegenrede erfolgenin pointenreichen, wirkungsvollen Wendungen, welche sich nicht selten zuSchiller'schem Pathos erheben. Einzelne Scenen, namentlich inDer letzteHeld von Marienburg", sind von packender Gewalt und würden auf derBühne gewiß von großer Wirkung sein. Indessen ist aus den schonangeführten Gründen nicht zu hoffen, daß eine Theater-Direction sich zueiner Aufführung entschließt, wie denn auch zu des Dichters LebzeitennurDer letzte Held von Marienburg" das Lampenlicht erblickte undauch dieser nur ein Mal und zwar zu Königsberg.

Wir dürfen hier auch wohl schon des letzten Drama's Eichendorff'sgedenken, obgleich es erst drei Jahre nach dem letzten Helden von Ma-rienburg 1833 erschienen ist, des Lustspiels in drei Aufzügen:Die Freier." Es ist ein tolllauniger Fastnachtsschwank mit einer Reihevon Vermummungen und Verwechselungen, welche zu höchst komischenSituationen führen. Graf Leonard soll sich auf Wunsch seines Oheimsmit einer schönen Gräfin, Namens Adele, verheirathen, welche er noch