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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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Knochenmänner nicht zu verwunden. Als deren nun immer mehrere, mitMessern bewaffnet, kommen, ergreift er die Flucht.

Am andern Morgen will er Donati zur Rechenschaft ziehen, aberin Lucca kennt Niemand einen Mann solchen Namens, und auch derPalast existirt nicht, in welchem Alessandro den Abend verlebt haben will.Nun erfährt er, daß auf der Stelle, welche er als den Schauplatz seinesschrecklichen Abenteuers bezeichnet, früher ein Gasthaus bestanden habe,dessen Besitzer viele von den bei ihm einkehrenden Fremden ermordethabe. Zur Strafe habe man ihn getödtet und sein Haus zerstört. Seitder Zeit sei jener Ort der Tummelplatz von Gespenstern, welche argloseMenschen in einen erdichteten Palast führten.

Selten wird man in einer Novelle, deren Handlung einer anderswomitgetheilten Begebenheit entnommen ist, die Spuren der Quelle in sogeringem Maße verfolgen können wie imMarmorbild". Eichendorffhat der ziemlich trivialen Gespenstergeschichte nur einen einzigen Zugentlehnt: daß Dämonen einen jungen Mann in die Irre zu locken ver-suchten sonst aber hat er aus dem unergründlichen Schatze seinerPhantasie so viel hinzugethan, daß ein völlig neues reizendes Gebildeentstanden ist. Jene Anekdote hat ihn nur angeregt; ein Gedanke, derihn gewiß schon lange beschäftigt hatte, wurde mit ihr in Verbindunggebracht, die Phantasie gerieth in Thätigkeit, und so gestaltete sich eintiefsinniges, von echt dichterischem Geiste durchwehtes Kunstwerk.

Die siegreiche Macht des Christenthums über das Heidenthum istder Grundgedanke der Novelle nach welcher Richtung hin, darüberkann man verschiedener Ansicht sein. Die Einen verlegen den ganzenVorgang in die Seele des Helden; an ihm habe der Dichter zeigenwollen, wie der Kampf der heidnischen Mächte mit der siegreichen christ-lichen Ordnung in der Brust des Menschen ausgesuchten werde. Dahererlebe nur der Held der Novelle das ganze Abenteuer, nicht aber For-tunato, welcher doch auch zugegen sei. Die Deutung hat viel für sich.Florio wird bestrickt von der hinreißenden Schönheit der fremden Dame,welche die Vertreterin des Heidenthums ist, und von der zauberhaftenUmgebung, in der sie sich bewegt. Die Gefahr der Verlockung liegtnahe. Die bösen Lüste werden geweckt, und darum sagt sie auch, einJeder glaube sie schon ein Mal gesehen zu haben, und ihr Bild dämmerewohl in allen Jugendträumen ein Mal herauf. Da verscheucht ein innigesStoßgebet den ganzen Zauber. Aehnlich versucht der begeisterte VerehrerEichendorff's, Adolf Schöll, den Inhalt zu deuten:Diese Novelle zeich-net den bösen Zauber des Schönen in der verirrten Einbildung. Er istam größten in solchen gebildeten Zeiten, wo viel Vergangenes ideal ge-worden ist. Es gibt dann Ideen, die nicht mehr in der Wirklichkeit

Görres-Gefellschaft. III. B-reinsschrift für 1887. 4