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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
Entstehung
Seite
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Ruinen, und der Sänger antwortet ihm mit einer wundervollen Ballade.Jener Palast sei ein Tempel der Venus gewesen; alljährlich im auf-wachenden Frühling steige die Göttin herauf und suche das luftige Säulen-haus. Doch öde sind die Stellen, der Wind zieht ein und aus, Dianaschläft im Walde und Neptun ruht im kühlen Meerschloß.

Sie selbst muß sinnend stehen,

Sv bleich im Frühlingsschein,

Die Augen untergehen,

Der schöne Leib wird Stein.

Denn Uber Land und WogenErscheint so still und mildHoch auf dem RegenbogenEin ander Frauenbild.

Ein Kindlein in den ArmenDie Wunderbare hält,

Und himmlisches ErbarmenDurchdringt die ganze Welt.

Da in den lichten RäumenErwacht das Menschenkind,

Und schüttelt böses TräumenVon seinem Haupt geschwind.

Und nun ergibt sich aus weitern Nachforschungen Florio's, daß Fortunatoin der That in jener Nacht in dem Zaubergarten gewesen ist und einfrommes Lied hat ertönen lassen, daß er aber von all' dem, was Florioentzückte und erschreckte, nichts gesehen hat.

So ist der Inhalt vonDas Marmorbild" durchaus märchenhaftund traumhaft, und ausgestattet ist es mit allen Reizen eines orientalischenMärchens, wie wenn eine Scheheresade es erzählt hätte. Die Natur-schilderungen sind von bestrickender Schönheit und überragen selbst die inAhnung und Gegenwart". Die Stimmung des Märchens nimmt unsvöllig gefangen und versenkt uns in einen traumhaften Zustand, inwelchem unsere Phantasie unwillkürlich die vom Dichter umrissenen Bilderweiter und üppiger ausmalt.

Es liegt auf der Hand, daß es dem Dichter nicht darum zu thunwar, mit reizenden Spielen die Phantasie zu ergötzen er wollte großenIdeen und erhabenen Gegensätzen dichterische Verklärung verleihen. Erselbst hat sich, wie ja über seine Werke überhaupt nicht, über diesenPunkt nicht erklärt. Als er am 2. December 1817 die Handschrift derNovelle an Fouque sandte, mit der Bitte, sie zu prüfen, ob sie für dasFrauentaschenbuch geeignet sei, schrieb er demselben über die Entstehung'):

') A. a. O. S. 84.