Druckschrift 
Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen
 

44

seinem häuslichen Glück gewidmet sind, verrathen uns seine innerste Em-pfindung. So besonders das tief empfundeneAn Louise":

Ich wollt' in Liedern oft dich Preisen,

Die wunderstille Güte,

Wie du ein halboerwildcrtes Geniüthe

Dir liebend hegst und heilst auf tausend süße Weifen,

Des Mannes Unruh' und verworr'nem LebenDurch Thräncn lächelnd bis zum Tod ergeben.

Doch wie den Blick ich dichtend wende,

So schön in stillem Harme

Silzst du vor mir, das Kindlein auf dem Arme,

Im blauen Auge Treu' und Frieden ohne Ende,

Und alles laß ich, wenn ich dich so schaue

Ach, wen Gott lieb hat, gab er solche Franc!

Die Anspielung, welche er in diesem Gedicht auf seinen Gemüthszustandmacht, ist leicht verständlich. Die in früher Jugend freudig gehegteHoffnung, dereinst auf den väterlichen Gütern sein Leben in der erfrischen-den Thätigkeit des Landmannes verbringen und beschließen zu können,konnte nach der trüben Lage der Dinge nicht in Erfüllung gehen. Ermußte sich einen Wirkungskreis suchen, welcher nicht allein seinen Nei-gungen entsprach, sondern auch die Zukunft seiner Familie sicher stellte.Lauge schwankte er zwischen dem österreichischen und preußischen Staats-dienst. Nach dort zog ihn eine im elterlichen Hause empfangene Vor-liebe und seine warme Anhänglichkeit an den katholischen Glauben; inPreußen, wo das frisch erwachte Staatsleben eine kräftige Entwickelungversprach, winkte ihm eine rasche Laufbahn. Die Nothwendigkeit bestimmteihn für das letztere. Er trat im December 1816 bei der Regierung inBreslau als Referendar ein und wirkte in seiner Heimathprovinz dreivolle Jahre. Es war eine Zeit angestrengtester, aber auch freudigerThätigkeit, denn sie galt ja seinem über alles geliebten engern Vater-lande. Er versöhnte sich wieder mit dem Leben und gab sich in einemBriefe an Fouque vom 15. März 1817 st der Hoffnung hin, daß nochalles gut werden könne. Für den festen Charakter des Dichters gibtdieses energische Aufnehmer! des Kampfes mit dem widrigen Schicksaldas beste Zeugniß. Er war das verwöhnte Kind reicher Eltern; imUeberfluß war er aufgewachsen, und nie hatte die bittere Sorge in seineSeele ihren unerwünschten Einzug gehalten; jetzt aber, als sie in finstererGestalt an ihn herantrat, fand sie ihn gerüstet. Vielleicht ist in dieserZeit das Gedicht entstanden:Lieber alles", an dessen Schluß es heißt:Ein wildes Roß ist's Leben,

Die Hufe Funken geben,

Wer's ehrlich wagt, bezwingt es,

Und wo cs tritt, da klingt es.

') A. a. O. 84.