sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Hier kam er in innigen Verkehrmit Gneisenau, welcher sich für deutsche Litteratur interessirte und demjungen Dichter eine rege Theilnahme zuwandte. Doch dauerte der Auf-enthalt in Lüttich nur wenige Tage, denn schon am 11. Mai wardEichendorff an den Niederrhein gesandt, um dort die Landwehr mit for-miren zu helfen. Am 15. Mai traf er in Aachen ein, wo er zu seinergroßen Freude Görres begegnete, welcher inzwischen durch seinen deut-schen Mercur nach Napoleon's eigenem Ausspruch zur sechsten Großmachtaufgestiegen war. Die folgenden Wochen waren reich an Arbeit undAufregung, denn es galt, das neu gebildete zweite rheinische Landwehr-Regiment auszurüsten und in möglichst kurzer Zeit kriegsbereit zu stellen.Mitte Juni trat das Regiment, dessen zweite Compagnie Eichendorff'sFührung anvertraut war, seinen Marsch an und erreichte am 19. Juni,am Tage nach der Entscheidungsschlacht von Waterloo, die Hauptarmee.Am 7. Juli zog er mit in Paris ein und blieb dann einige Wochendienstthuender Offizier bei Gneisenau, der bereits in den Besitz von Eichen-dorff's eben erschienenem Roman gelangt war. Von August ab begannfür ihn wieder der leidige Garnisondienst, welcher ihn mehrere Monatein Anspruch nahm und, wie er selbst an Philipp Veit schrieb, damitausgefüllt wurde, daß man fürchterlich exercirte und in Compiegne, Noyonund Ham tüchtig aß und trank. Er war gänzlich verschlagen, so klagteer in einem Briefe an Fouque, von allen Freunden und litterarischenNachrichten aus dem Vaterlande, aber durch das Gefühl solcher Entbeh-rung und Aufopferung nur desto inniger mit ihm verbunden. Zum dich-terischen Schaffen war ein solches Leben in Feindesland nicht angethan,so daß nur wenige lyrische Gedichte in Frankreich ihren Ursprung gefun-den haben. In dem „An die Freunde" überschriebenen gibt er seinemJubel über den endlich nach heißem Kampfe errungenen Sieg schwung-haften, echt dichterischen Ausdruck.
Im Januar 1816 schlug für Eichendorff die Stunde der Erlösung:er konnte seine Compagnie nach Crefeld zurückführen und den Abschiednehmen. Alles andere vergessend, eilte er nun in die Heimath, um nachlanger Trennung seine junge Gattin, welche muthig die schwere Prü-fungszeit bestanden hatte, zu begrüßen und sein Erstlingskind, einen am30. August 1815 geborenen Sohn, Hermann, an's Herz zu drücken.Ein ganzes Jahr lang lebte er in Oberschlesiens frischen Wäldern derErholung und seinem häuslichen Glück, welches nach der langenTrennung von seiner Gattin einen neuen Reiz und durch den Sprößlingihrer Liebe eine tiefere Festigung erfahren hatte. Der Dichter hat imUebermaß seiner stillen Seligkeit es nicht vermocht, seinen überwallendenGefühlen vielfachen Ausdruck zu geben; die wenigen Lieder aber, welche