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und verführt hat, ist das genau entsprechende weibliche Seitenstück zuihm; sie ist die Personifikation der gehaltlosen Salondame, welche, weildie Mode es verlangt, dem wahrhaft Schönen huldigt, es aber ver-läßt des äußern Flimmers wegen. Rosa zieht den idealen GrafenFriedrich, den eigentlichen Helden des Romans, durch ihre Schönheitauf einige Zeit an sich, wird ihm aber untreu, um sich dem Prinzenrückhaltlos hinzugeben.
Der Prinz sowohl wie Rosa stellen den größten Theil der vor-nehmen Gesellschaft dar. Ihr Leben ist ohne innern Halt, sie strau-cheln bei jeder Versuchung, aber sie straucheln stets mit Eleganz undsündigen nach allen Regeln der Aesthetik. Ihnen gegenüber steht eineandere Gruppe, welche gleichfalls den festen Stützpunkt verloren hat, abersich durch eine große geistige Kraft aufrecht erhält. Auch ihnen fehlt derhöhere Schwung, das unerschütterliche Zielbewußtsein; sie nehmen dasLeben poetisch und leben poetisch. An ihrer Spitze steht Leontin, dergenialische Weltmann, der Romantiker des Lebens. Er blickt mit über-legener Ironie auf die unter ihm krabbelnde Menschheit und ergötzt sichan ihr mit satyrischen Bemerkungen; er liebt es, mit einem schlagfertigenWitze zwischen die Begeisterung eines Idealisten zu fahren und dessenüberschwängliche Phantasieen wie Seifenblasen auf ihr Nichts zurückzu-führen. Gleichwohl aber erfüllt es ihn mit Wonne, sich hin und wiederin den wild dahinwirbeluden Strom des Lebens stürzen und von ihmtragen lassen zu können. Die Befriedigung eines thatkräftigen Lebenskennt er nicht; ziellos wandert er umher, genießt und liebt. Victorzeigt sich uns noch regelloser; er ist der Romantiker der äußersten Linken,ohne die Fähigkeit zu besitzen, genialisch zu leben. Auch ein weiblichesSeitenstück fehlt hier nicht; wir haben es in der Gräfin Roma na.Leontin nennt sie eine toll gewordene Männlichkeit; wir als Leser möchtensie die Symbolik der falschen, von Gott abgewendeten Romantik nennen.Mit allen Reizen des Körpers und des Geistes ausgestattet, von be-rückender Liebenswürdigkeit und südlicher Gluth, fliegt sie haltlos durchdas Leben, berauschend und abschreckend, Niemanden beglückend, und findetein klägliches Ende. Um diese beiden Gruppen reihen sich andere un-bedeutende Personen, welche in ihrem niedrigern Kreise wieder dasselbebedeuten und gleichsam die höhern Sphären in trüberm Schein wider-spiegeln.
Es war nun die Ausgabe des Dichters, der kranken Zeit ihr ge-sundes Gegenbild vorzuhalten. Er thut es in dem Helden seines Ro-mans, in dem Grafen Friedrich. Er ist der Repräsentant Eichen-dorff's; er ist sein Mund, und was er spricht, ist des Dichters eigensteMeinung. Friedrich ist der Dichter von Gottes Gnaden; ihm ist die