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gebürt der Menschheit anbahnen werde. Das Geschlecht, welches derDichter uns in einer reichen Aufstellung von Charakteren anschaulichschildert, ist den großen und allerdings auch schweren Aufgaben der Zeitnicht gewachsen; in sorglosem Genießen verlebt es seine Tage, währenddas Vaterland aus tausend Wunden blutet; ohne jeden idealen Aufschwung,ja ohne einen festen Lebenszweck und höhere Gesinnung gefällt sich eingroßer Theil der Mitlebenden in einem nüchternen Festhalten an derWirklichkeit, und wo ein Mal ein höher gestimmter Geist versucht, dererdrückenden Atmosphäre zu entfliehen, da ziehen hundert Arme zugleichihn wieder zurück. Es fehlt diesem Geschlecht das Gefühl der innernZusammengehörigkeit in Religion und Vaterland; lediglich das Streben,das Ziel des Daseins in ausgiebigem aber „schönem" Lebensgenuß zufinden, vereinigt sie in heiterer Gesellschaft. Machtlos stehen edele Geisterihren saftlosen Zeitgenossen gegenüber; vergeblich ist es, sie anspornen zuwollen zum Kampf gegen den fremden Eroberer, zu innerer Samm-lung und Erhebung; verächtlich dreht die Menge jenen „Narren" denRücken, getäuscht werden sie selbst von denen, welchen sie eine großeGesinnung zugetraut hatten, und so wenden sie sich, von Ekel erfülltab und suchen Zuflucht im Schooße der Kirche.
Das ist der ideale Gehalt des Eichendorff'schen Romans. Es istein Zeitroman, aber nicht von jener Art, wo man hinter einer jeden Figurdas Modell erkennen und mit Fingern auf den Gemeinten Hinweisenkann; auch nicht ein solcher, wo in genauer Charakterisirung der histo-rischen Situation und des Zeitgeistes, sowie in minutiöser Schilderungdes Costumes das Hauptgewicht liegt. Eichendorff zeichnet nur Rich-tungen und schafft für diese entsprechende Typen; jedoch wohnt ihnen einkräftiges individuelles Leben inne, und einzelne Züge für sie mögenseinem Bekanntenkreise entnommen sein. Der Prinz in seiner unge-zügelten, ästhetisch angehauchten Sinnlichkeit ist so recht ein Vertreterder romantischen Genialitätshelden, welche die Sittengesetze mit der größ-ten Unverfrorenheit übertraten, nie aber die angeborene Eleganz verleng-neten. Er liebt, verführt, bereut; doch nie geht sein Gefühl in dieTiefe, ja, er gefällt sich darin, „Emotionen" zu erleben und sie in demAugenblick, wo jeden andern Sterblichen die Wucht des Erfahrenen Nie-derdrücken würde, in wohlgesetzten Versen zu besingen. Man könnte fastannehmen, daß Eichendorff in dieser Figur einen bekannten, vielfach ver-götterten Prinzen des preußischen Herrscherhauses habe darstellen wollen.Es ist bezeichnend, daß der Prinz sich mit einer oberflächlichen und sitt-lich nicht eben hochstehenden Weltdame verheirathet und so gleichsamsymbolisch die Grundstimmung seines Charakters andeutet. Rosa, ebendiejenige, welche er zu sich auf den Thron erhebt, nachdem ex, sie ent-