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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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er sich, wie wir noch später sehen werden, bei aller Pflichttreue als einenentschiedenen Gegner der preußischen Politik zeigte. Seine Vermögens-Verhältnisse waren recht trostlose; er war, um leben zu können, geradezuauf ein Staatsamt angewiesen. Vom Vater durfte er Zuschüsse nichtmehr erwarten, da der Zusammenbruch des Vermögens nur noch eineFrage der Zeit war und dann höchst wahrscheinlich nur ein kleiner Restin Händen der Familie blieb.

So. mußte Eichendorff schweren Herzens der Zukunft entgegensehen,während er geglaubt hatte, seinen! geliebten Weibe eine sichere Wohnstättebieten zu können. Jetzt dachte er endlich daran, seinen schon so langevollendeten RomanAhnung und Gegenwart" der Oeffentlichkeit zu über-geben, in der Hoffnung, durch ein wenn auch geringes Honorar seinefinanziellen Verhältnisse zeitweilig zu bessern. Aber es war schwer, einenVerleger zu finden; mehrere lehnten rundweg die Uebernahme des Ver-lages ab, andere suchten die Entscheidung hinauszuschieben, so daß deran sich selbst irre gewordene Dichter sich an Fouque mit der Bitte umeiue Beurtheilung des Romans und Schaffung eines Verlegers wandte.Fouque antwortete Ende November 1814 unter begeisterten Lobsprüchen was ebenfalls sehr wichtig war mit der Nachricht, daß sein Ver-leger Schräg in Nürnberg geneigt sei, den Verlag gegen ein Honorarvon einem Friedrichsd'or für den Bogen zu übernehmen. Eichendorffsagte freudig zu und stellte an Fouque die weitere Bitte, den Romanmit einigen einleitenden Worten zu versehen. Auch das that der gut-müthige Verfasser derUndine", und so erschien denn der Roman zuOstern 1815.

Daß Eichendorff's erste größere Schöpfung ein Roman wurde, hatwesentlich seinen Grund in der schon erwähnten enthusiastischen Verehrungder Romantiker für Goethe'sWilhelm Meister", welcher sich der jungeDichter durchaus angeschlossen hatte. Dem Alten von Weimar nach-eifernd, schrieben Jean Paul denTitan", TieckSterubald's Wande-rungen", Dorothea Schlegel denFlorentin". Wilhelm Meister warihnen die Summe alles Dichterischen, der Roman schlechtweg, und so wen-dete sich auch Eichendorff dieser vielumfassenden poetischen Form zu.

InAhnung und Gegenwart" haben wir schon den ganzen Eichen-dorff nach seiner ethischen und dichterischen Grundstimmung: nach jenerSeite ist der Roman echt deutsch und getragen von einem christlichenGeiste, nach dieser durchaus lyrisch und romantisch, lieber die Unzu-länglichkeit des Irdischen überhaupt und die Niedrigkeit jener Zeit ins-besondere erhebt er den Leser in höhere Sphären und läßt durch einleichtes Lüften des Vorhanges, welcher die Zukunft verschleiert, unsahnen, daß ein besseres Geschlecht von kräftigerer Sittlichkeit die Wieder-