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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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geschraubter Ehrbegriff trugen in ihm den Sieg davon über Vernunftund religiöse Vorschrift. Glücklicherweise verlief der Zusammenstoß ohnenachtheilige Folgen für beide Duellanten. Im Juni des Jahres 18 l4erhielt Eichendorff seinen Abschied, worauf er sofort in die Heimath zurück-kehrte. In Lubowitz wurden nunmehr alle Vorbereitungen für seineVermählung mit Luise von Larisch getroffen, welche denn auch im October! stattfand. Eicheudorff hatte, wie er in dem jetzt folgenden engsten Zu-sammenleben so recht empfand, eine überaus gute Wahl getroffen. SeineI Gattin, deren Richtung bei aller Neigung für Poesie und Kunst einevorwiegend praktische war, bildete ein gesundes Gegengewicht zu der leb-

> haften Phantasiethätigkeit Eichendorff's, welche ihn leicht die Sorgen des

, täglichen Lebens übersehen ließ. Sie fühlte ihren Beruf in der treuen

Erfüllung ihrer Pflichten als Gattin und Hausfrau und wachte sorg-fältig darüber, ihrem Manne das Leben angenehm zu machen.

^ Das junge, überaus glückliche Paar begab sich nunmehr nach Berlin,

^ wo Eichendorff eine Anstellung suchte. Wie es ihm damit ergangen,

^ schildert uns am besten ein Brief vom 28. Januar 1815, den er an

feinen Freund Philipp Veit in Wien richtete^).. . . Ich werde meinHeimweh nach Wien nicht los und kann mich hier in Berlin noch immerin nichts finden ... Es ist und bleibt mir alles fremd: Religion,i politische Gesinnung, ja selbst die allgemeine Fertigkeit, über Kunst und

-i Wissenschaft abzusprechen, erschreckt und stört mich mehr, als es mich

! erfreut, denn es scheint mir wenig Liebe darin zu sein. In solcher inner-

lichsten Einsamkeit fühle ich einen recht aufrichtigen Trieb, in mir selbergründlich besser zu werden und Trost und Rath eifriger dort zu suchen,wo man ihn am Ende immer findet, und so weiß denn Gott immer amI besten, was uns geziemt. Mein hiesiges Anstellungsgeschäft geht sehr

, langsam und trübselig. Denn obschon mich der Präsident und die Räthe,

! denen ich in Potsdam meine Aufwartung machte, sehr zuvorkommend

^ aufnahmen, so müßte ich doch nach allgemeiner Versicherung vorerst

wenigstens anderthalb Jahre lang ohne Gehalt und Diäten dienen, welchesmir meine Vermögens-Verhältnisse durchaus unmöglich machen. Ich will

> daher versuchen, so lang mein Geld noch reicht, irgend eine andere baldige

» Anstellung zu erhalten. . . . Sollte Herr von Schlegel vielleicht bei dem

jetzigen Zusammenfluß von hohen Personen oder durch Bartholdy u. s. w.irgend eine noch so geringe Anstellung in Wien für mich finden, so bittei ich ihn herzlich, mich nicht zu vergessen, und ich fliege mit unbeschreib-licher Freude in mein liebes altes Oesterreich zurück." Sein Herzens-wunsch sollte nicht erfüllt werden, er blieb an Preußen gebunden, obgleich

y Raich, a. a. O., II 298, 299. Es war die Zeit des Wiener Kongresses.