sophen Moses Mendelssohn, welche zuerst den Kaufmann Simon Veitgeheirathet und sich als Culturdame von recht freien Lebensanschau-ungen bekannt gemacht hatte. Jetzt war sie, wie Friedrich Schlegel,aus innerster Ueberzeugung katholisch. Obgleich Dorothea auf Schönheitkeinen Anspruch machen konnte, zog sie doch die Männerwelt unwider-stehlich an sich — der beste Beweis war ihr jetziger Gatte, den siedoch an Alter um acht Jahre überragte. Ihr lebhafter Geist, ihrewitzsprudelnde Conversation, ihre reichen Kenntnisse aus vielen Wissen-schaften übten auf die Männer der Litteratur und Kunst einen großenEinfluß aus. In den Abendgesellschaften griff sie stets lebhaft in dieUnterhaltung auch über die schwierigsten und Frauen ganz fernliegendenGegenstände ein und überraschte durch ihre schnelle Auffassungsgabe undihr scharfsinniges Urtheil. An den schriftstellerischen Arbeiten ihresMannes betheiligte sie sich in nicht geringem Maße und trat auch selbstals Dichterin auf. Trotz alledem war sie eine sorgsame Gattin undHausfrau und verschmähte es nicht, Strümpfe zu stopfen und Hemdenzu nähen. Eichendorff schloß sich der geistvollen Dame, welche ihn mitmütterlichen Augen betrachtete, vertrauensvoll an und offenbarte ihrseine dichterischen Pläne und Entwürfe. Noch einige Jahre nachherbekannte er, daß er nirgends einen Ersatz für diesen glücklichen Verkehrgefunden habe. Den fast vollendeten Roman: „Ahnung und Gegen-
wart" legte er ihr zur Prüfung vor und schenkte ihren und ihres Ge-mahles Randbemerkungen volle Beachtung. Sie war es auch, welchedem Roman seinen jetzigen Titel gab.
Mit Dorotheens Sohn, dem später berühmt gewordenen MalerPhilipp Veit, welchen Fouque klar und heiter wie den Frühling, ernstund sinnig wie den Herbst nennt fl, wurde Eichendorff auf das innigstebefreundet. Auch mit Theodor Körner, welcher als k. k. Theaterdichterin Wien angestellt war, kam Eichendorff zusammen, ohne indessen nähere Be-ziehungen mit ihm anzuknüpfen. Eichendorff hielt ihn für unbedeutend, eineMeinung, welche Dorothea von Schlegel ^vollständig theilte fl. MitWilhelm von Humboldt verkehrte Eichendorff häufig in dessen Hause,ohne sich veranlaßt zu sehen, dem berühmten Manne näher zu treten.Enger schloß er sich dem ausgezeichneten Redemptoristenpater ClemensMaria Hoffbauer an, dessen Predigten viel Aufsehen erregten, und dessenWirken ein außerordentlich segensreiches war.
Im Frühjahr 1811 kam auch Adam Müller nach Wien, um imHause des Erzherzogs Maximilian von Este Vorträge über Staats-wirthschaft zu halten. Die beiden Brüder erneuerten ihre Bekannt-
fl. Fougue's Selbstbiographie, S. 326. — fl Raich, Dorothea von Schlegel, II 138.