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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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eine seltene Uebereinstimmung der Seelen. Wie er, war sie hochgesinnt;wie er, liebte sie die schönen Künste und vorab die Poesie; wie er, warsie von Herzen fromm und bei aller Innigkeit von keuscher Empfindung.Eichendorff wünschte eine baldige Vermählung, indessen zögerten die Elternseiner Braut mit der Zustimmung, weil sie noch zu jugendlich erschien.Später traten die kriegerischen Ereignisse dazwischen, so daß die Lieben-den erst im October 1814 vereinigt werden konnten.

Im Herbst 1809 machten die Brüder auf Löben's Einladung eineReise nach Berlin, wo sie Arnim und Brentano wiederfanden. Beidewaren mit poetischen Arbeiten beschäftigt: jener mit seinem RomanGräfin Dolores", dieser mit denRomanzen vom Rosenkranz". Unterden neuen Bekanntschaften mit hervorragenden Männern ist die mitAdam Müller, der im Jahre 1805 katholisch geworden war, am be-merkenswerthesten. Müller, von Beruf Nationalökonom, dessen Theorienheute noch beachtet werden, war zugleich ein warmer Freund der schönenLitteratur und theoretischer Verfechter der Romantik. Seine Vor-lesungen über das Schöne und die spanische Poesie, über deutsche Litte-ratur und Kunst, sowie über die dramatische Poesie fanden zahlreicheZuhörer, und seine Ansichten begeisterte Gläubige. Als seine Lebens-aufgabe bezeichnete er einewissenschaftliche Darstellung des Staats inseinem ewigen Bunde mit Religion, Poesie und Leben" fl eine echtromantische Aufgabe. Eichendorff war häufig Gast in seinem Hause,wo sich die tonangebenden litterarischen Größen Berlin's Stell-dich-eingaben, und empfing dort vielseitige Anregung. Auch die VorlesungenFichte's besuchte er und sehr oft das Berliner Nationaltheater, welcheszu jener Zeit bedeutende Kräfte zur Verfügung hatte.

Leider wurde sein Aufenthalt in Berlin nach einigen frohen Wochenin recht unangenehmer Weise gestört, da er in ein Nervenfieber fiel,welches ihn drei Monate lang an das Krankenlager fesselte. Erst imMärz 1810 konnte er nach Lubowitz zurückkehren. Aber nun fand erin der stillen Heimath kein Genüge mehr, er sehnte sich nach frucht-bringender Arbeit und anregender Thätigkeit. Der Aufenthalt in Berlin,wo die nationale Wiedergeburt sich langsam unter einer scheinbar ruhigenOberfläche vorbereitete, hatte ihn mit einiger Beschämung über seine,nur der eigenen Wohlfahrt gewidmete Thätigkeit erfüllt. Er strebtenach Arbeit für die Allgemeinheit, und diesen Wunsch hegte auch seinBruder. Beide dachten in den Staatsdienst zu treten. Dazu kam eineäußere Veranlassung. Der Krieg mit seinen Ungeheuern Lasten hattedie Güter des Vaters so sehr verschuldet,' daß es den Brüdern, als

fl Eichendorff, Gesch. d. Poet. Litt., II 49.