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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
Entstehung
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Erfüllt von diesen Gedanken, fügte er feinem RomanAhnung undGegenwart" die interessanten Schilderungen aus dem Freiheitskampfeeines Gebirgsvolkes an, unter welchem die Tiroler gemeint sind, undentwarf ein Drama, welches die Erhebung der Germanen gegen dieRömer unter Arminius behandeln sollte. Aber sein Herzenswunsch, selbstmit in das Feld ziehen zu dürfen, konnte noch nicht in Erfüllung gehen;er mußte die Zeit erwarten mit klopfendem Herzen, wie so mancher jugend-liche Patriot jener Tage.

Neben den poetischen Arbeiten lief aber eine ungemein praktischeThätigkeit. Es war Absicht der beiden Brüder, sich in die Verwaltungder väterlichen Güter einzuführen und so auf Uebernahme derselben sichvorzubereiten. Unserm Dichter sagte die Landwirthschaft von Herzen zu.Gewohnt, täglich mit der Natur zu verkehren und sie in ihren wechseln-den Stimmungen zu beobachten, fand er sich leicht in eine Beschäftigung,welche ihm diesen Verkehr zur Pflicht machte. Er arbeitete unverdrossen,und sein Körper gedieh sichtlich in der anstrengenden und doch anregen-den Thätigkeit.

Indessen gehen wir wohl nicht fehl, wenn wir für seinen unermüd-lichen Fleiß, der den Eltern so viele Freude machte, noch einen andernGrund als den der angeborenen Neigung geltend machen: Eichendorffverlor schon bald nach seiner Rückkehr in die Heimath sein Herz undrichtete nun sein ernstes Streben darauf, sich für die bevorstehende Selb-ständigkeit vorzubereiten. Louise Victoria von Larisch hieß seine Auser-wählte, eine Tochter des Gutsbesitzers Johann von Larisch auf Pogrze-bin bei Ratibor. Sie stand in noch sehr jugendlichem Alter, ragte jedochdurch Schönheit, Geist und fromme Gesinnung weit über ihre Genos-sinnen. Als Eichendorff sie zum ersten Male sah, gewann sie seine ganzeNeigung. Dem ersten Besuch folgten rasch weitere, welche von denEltern beider Seiten gern gesehen wurden, und nach Verlauf von wenigenWochen war Eichendorff glücklicher Bräutigam. Mit dieser Liebe er-weiterte sich das Stoffgebiet seiner Muse; denn bis dahin hatte er esverschmäht, Gefühle zu besingen, welche er nicht hegte:

Was mir das Herz bewogen,

Das sagte treu niein Mund.

Und das ist nicht erlogen,

Was kommt aus Herzensgrund.

Zahlreiche, innig empfundene Lieder sind die poetische Frucht seiner über-aus glücklichen Liebe. Ihr sind die tief empfundenen sechs Wanderliedergewidmet, welche in der Gedicht-Sammlung unter der UeberschriftInder Fremde" vereinigt erscheinen und zu den schönsten Blüthen seinerLyrik gezählt werden müssen. Zwischen ihm und seiner Braut herrschte