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gewordene Stadt, um eine Reise nach Paris anzutreten. Es war derEltern Wunsch, daß die Söhne nach beendeten Universitätsstudien dievielbewunderte Weltstadt kennen lernen sollten, ehe sie in die Heimathzurückkehrten. Mit welchen Gefühlen Eichendorff von Heidelberg undseinen lieben Bekannten schied, läßt sich denken; nur die Aussicht, schonbald wieder mit ihnen zusammen zu treffen, linderte den Schmerz derTrennung. Görres bat seinen jungen Freund, auf der Pariser Bibliothekfür ihn einige altdeutsche Handschriften von Volksbüchern zu vergleichen:ein Auftrag, der den Dichter mit nicht geringem Stolz erfüllte; Bren-tano und Arnim wünschten dem scheidenden Freunde Glück, daß er demdeutschen Michel den Rücken kehren könne, und Löben verabredete mitBeiden eine längere Reise durch Süddeutschland, sobald sie zurückgekehrtsein würden.
Im Äpril 1808 kamen sie in dem Babel an der Seine an und ver-fehlten nicht, es mit deutscher Gründlichkeit nach allen Richtungen zu durch-streifen. Die reichen, meist andern Ländern gestohlenen Kunstschätze desLouvre erfüllten Joseph mit Entzücken; der ungeheuere Reichthum derkaiserlichen Bibliothek reizte seine Wißbegier und veranlaßte ihn, ganzeTage im Lesezimmer zuzubringen; das ihm völlig neue, außerordentlichmanchfaltige Leben der Weltstadt endlich verschaffte ihm neue Anschauungenund Aufschlüsse. Des Auftrags, welchen Görres ihm mitgegeben, ent-ledigte er sich mit großer Gewissenhaftigkeit und er war so glücklich, demFreunde manches neue Material mitbringen zu können. Trotz allerHerrlichkeiten in der Kaiserstadt empfand Eichendorff aber bald einen„wahren Heißhunger" nach Deutschland und brach mit dem Bruder imMai desselben Jahres zur Heimreise auf. In Heidelberg blieben dieBrüder noch einige Wochen mit den alten Freunden zusammen undtrennten sich dann von der Stätte so vieler reiner Freuden und ernstenStrebens, ohne sie je wieder zu sehen.
Sie strebten nunmehr ihrer Heimath zu, reisten jedoch wie echteTouristen, denen daran gelegen ist, Land und Leute aus eigener An-schauung kennen zu lernen. Keine Gegend, welche Mutter Natur mitihren Reizen großmüthig ausgestattet, blieb unbesucht; keine Stätte, woWissenschaft und Kunst blühten, ward übergangen, und jeder Ort, welchengroße geschichtliche Erinnerungen mit einem verklärenden Schimmer um-gaben, ward in ihre Reiseroute gezogen. Sie reisten, ohne Zweifel inso urbehaglicher Weise, wie Eichendorff in seinen Novellen seine Lieb-lingspersonen reisen läßt, über Frankfurt und Aschaffenburg, durchstrichenden Spessart und weilten in Würzburg. In Nürnberg blieben sie mehrereTage und erfreuten sich an den Denkmalen vergangener Herrlichkeit und