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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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Fichte seine mächtig wirkendenReden an die deutsche Nation" heraus-gab. Arnim und Brentano sammelten die deutschen Volkslieder underöffneten der staunenden Mitwelt verborgene Schätze, deren Reichthumund Schönheit die Freunde gesunder Poesie entzückte; Görres aberbrachtedie lieblichen deutschen Volksbücher in Erinnerung, welche, in gerademGegensatz zur antikisirenden Richtung, dem Geiste der deutschen Nationso sehr entsprachen. Eichendorff betheiligte sich auf das eifrigste an all'diesen Bestrebungen und brachte namentlich der Sammlung von Volks-liedern das wärmste Interesse entgegen. Wenn wir die Gedichte betrachten,welche in dieser Zeit entstanden sind sie wurden in den folgendenzwei Jahren in Ast's Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst (Landshut)veröffentlichtso finden wir unverkennbar den Einstuß der Beschäftigungmit unserer großen Vergangenheit sowie unserer ältern und neuern Volks-poesie. Wir finden da Minnelieder, Lieder im Volkston und Romanzenaus mittelalterlichen Stoffen. Und die Liebe für die deutsche Vergangen-heit, für jene Zeit, wo unsere Nation eins war im Fühlen und Glauben,diese Liebe, welche, wenn sie auch in Heidelberg nicht geboren wurde,doch dort ihre kräftigste Nahrung fand, hat ihn durch sein ganzes Lebenbegleitet und ist in den trübsten Tagen sein Trost geblieben. Auch anden Studien über die deutschen Volksbücher, welche Görres mit Begeiste-rung betrieb, betheiligte sich Eichendorff und lieferte Ersterm häufig schätz-bares Material.

Die liebsten Stunden des jungen Dichters waren die Abende, welcheer mit Görres, Arnim und Brentano zubrachte. Brentano saug in Görres'einsamer Klause selbstcomponirte Lieder zur Guitarre.Man könnte,"sagt Eichendorff *),schwerlich einen ergötzlichem Gegensatz der damalsflorirenden ästhetischen Thees ersinnen, als diese Abendunterhaltungen,häufig ohne Licht und brauchbare Stühle bis tief in die Nacht hinein:und wie da die Drei alles Große und Bedeutende, das je die Weltbewegt hat, in ihre belebenden Kreise zogen, und mitten in dem Wetter-leuchten tiefsinniger Gespräche Brentano mit seinem witzsprühenden Feuer-werk dazwischen fuhr, das dann gewöhnlich in ein schallendes Gelächterzerplatzte." Das schallende Gelächter galt vornehmlich dem deutschenPhilister, den zu hassen Eichendorff in diesem übermüthigen Kreise gelernthat. Er selbst begann den Kampf gegen das Musterbild nüchterner Ober-flächlichkeit und prosaischer Aufgeblasenheit erst später.

Von Romantikern auf dem Gebiete der Wissenschaft, welche in derschönen Museustadt genugsam vertreten waren, lernte Eichendorff nament-lich Professor Thibaut schätzen, unter dessen Leitung er eifrig dem Stu-

h Verm. Schriften, V 308.