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auch hier erlitt er eine Enttäuschung. Als er im Auftrag seiner Mit-bürger im November des Jahres 1799 nach Paris gesandt wurde, umhier die Zurücknahme einer drückenden Maßregel zu erwirken, lernte erden neuen Gewalthaber genugsam kennen, um von ihm keine Unterstützungder Sache der Freiheit mehr zu erwarten. Unbefriedigt von der gan-zen Entwickelung der so froh begrüßten Bewegung, zog er sich nach Ko-blenz zurück und lebte als Lehrer an der dortigen Secundairschule nurder Wissenschaft. Lange hielt er es auch in dieser Stellung nicht aus,denn nach wenigen Monaten schon brach er nach Heidelberg auf, wo erphilosophische und physiologische Vorlesungen ankündigte. Eichendorff sagtüber ihn als den Lehrer der Jugend: „Es ist unglaublich, welche Ge-walt dieser Mann, damals selbst noch jung und unberühmt, über alleJugend, die irgend geistig mit ihn: in Berührung kam, nach allen Rich-tungen hin ausübte. Und diese geheimnißvolle Gewalt lag lediglich inder Großartigkeit seines Charakters, in der wahrhaft brennenden Liebezur Wahrheit und einem unverwüstlichen Freiheitsgefühl, womit er dieein Mal erkannte Wahrheit gegen offene und verkappte Feinde und falscheFreunde rücksichtslos auf Tod und Leben vertheidigte; denn alles Halbewar ihm tödtlich verhaßt, ja unmöglich, er wollte die ganze Wahrheit.Wenn Gott noch in unserer Zeit Einzelne mit prophetischer Gabe be-gnadigt, so war Görres ein Prophet, in Bildern denkend und überallauf den höchsten Zinnen der wildbewegten Zeit weissagend, mahnend undzüchtigend; auch darin den Propheten vergleichbar, daß das »Steinigetihn!« häufig genug über ihn ausgerufen wurde ^).
Eichendorff wurde mit Görres bekannt durch den Besuch seiner Vor-lesungen und schloß bald mit ihm ein enges Freundschaftsbündniß, obgleicher zu dem ältern und in mancher Beziehung höher begabten Genossenmit ehrfürchtiger Scheu emporblickte. Durch Eichendorff wiederum kamGörres mit Arnim und Brentano in Verbindung, und bald umschlangdiese vier so verschiedenartig gestimmten und in ihren Endzielen doch har-monirenden Männer ein enges Band. Was sie Alle vereinte, war dieLiebe zum deutschen Vaterlande und der heilige Zorn über die Schmachder Zeit, der sich oft genug in recht bittern Worten Luft machte.
Aber, sich erzürnen über so viel Niedertracht und feige Gesinnung —das war auch alles, was den patriotischen Feuerköpfen zu thun übrigblieb. Die Zeit war zu klein für ihre großen Gedanken. Und so flüch-teten sie sich als echte Romantiker in die deutsche Vergangenheit, ver-senkten sich in die herrlichen Zeiten deutscher Größe und berauschten sichan der Poesie längst vergangener Jahrhunderte, während gleichzeitig
st Verm. Schriften, V 306.