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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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und daher besonnen über dem Leben stehen und dieses frei als einKunstwerk behandeln"^. Arnim's männlich schöne Erscheinung, die Un-abhängigkeit und Wahrhaftigkeit seiner Gesinnung, die glänzende Bega-bung seines Geistes und der sittliche Ernst, welcher ihn beseelte, machtenauf Eichendorff den tiefsten Eindruck, obgleich Arnim als Dichter bisdahin mit nur wenig bedeutenden Sachen hervorgetreten war. Noch in derGeschichte der deutschen poetischen Litteratur", welche Eichendorff docherst fast vierzig Jahre später schrieb, finden wir eine jugendliche Be-geisterung für den Dichter derGräfin Dolores".

Beide, Brentano und Arnim, waren eng befreundet und führten ineiner einfachen Kneipe, demFaulpelz", ein genialisches Dasein. Eichen-dorff sagt, beide hätten sich zu einander wie ein seltsames Ehepaar ver-halten, wovon der ruhige, mild-ernste Arnim den Mann und Brentano,der ewig bewegliche, den weiblichen Theil darstellte. Ueber Beiden aber,wie ein Meister über fahrenden Schülern," stand ein Mann, älter alssie alle und doch ein jugendlicher Feuerkopf, kein producirender Poet,aber doch ein Dichter von Gottes Gnaden, ein Held des Geistes undder Feder, ein kampflustiger Patriot und enthusiastischer Verehrer derbürgerlichen und religiösen FreiheitJoseph von Görres. Der nun-mehr einunddreißigjährige Mann hatte bereits ein bewegtes Leben hintersich. Mit Begeisterung hatte er die weltbewegenden Ideen, welche vonFrankreich in das deutsche Land herüberwehten und einen neuen Völker-frühling versprachen, in sich ausgenommen und war in Wort und Schriftihr eifriger Vertreter geworden. Er eilte nach Mainz, dem damaligenHauptquartier der deutschen Revolutionaire wenn man sie so nennendarf, denn sie waren um vieles zahmer als ihre Gesinnungsgenossen an der ,Seine wo er in Clubs und Volksversammlungen als ein bald hochgefeierter Redner austrat ^). Er war ein populärer Mann in einemAlter, wo andere noch auf den Lehrbänken der Universitäten sitzen undaufmerksam horchend die Weisheit des Katheders in sich aufnehmen.Bald trat er auch als Journalist hervor und bezauberte die Leser mitseinem witzreichen, geistsprühenden Stil ebenso wie seine Zuhörer mitseiner ungestümen, einem unaufhaltsam niederstürzenden Bergstrom ähneln-den Beredtsamkeit. Die Ernüchterung blieb allerdings nicht aus. Ersah von einer rohen, jedes höhern Aufschwungs baren Menge seine Frei-heitsideale entehrt; er sah ein, zu welchen Verirrungen der Genußschrankenloser Freiheit, für welche keine Nation geschaffen ist, führenmußte, und begrüßte es als ein Zeichen des Herannahens einer bessernZukunft, als Napoleon die Zügel der Herrschaft an sich nahm. Aber

st Venn. Schriften, V 307. st Siehe Galland, Görres, 40.