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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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thörende Funkeln und Schimmern von Poesie und Geist in dessen Dich-tungen hat auf Eichendorff's spätere Schöpfungen entschieden eingewirkt.Leider ist von den meist lyrischen Gedichten, welche während des Auf-enthaltes in Halle entstanden, nichts erhalten geblieben, so daß sichdirecte Spuren Tieck'scher Anschauungs- und Dichtweise nicht feststellenlassen.

Goethe blieb ihm aber immer, wenn er auch dessen Abneigung gegenjede positive Religion verwarf, der Heros der deutschen Dichtkunst, under ist in seiner Treue gegen ihn bis an sein Lebensende nicht wankendgeworden. Wie der Altmeister auf sein Dichten einwirkte, werden wirspäter sehen. Seltsamerweise war auch Jean Paul, der directe Gegen-füßler Goethe's in poetischer Hinsicht, sein Freund. Der sittliche Ernstdes Humors, die unerschrockene Kampfeslust gegen alles Lügnerischeund Gemeine zogen den gleichgesinnten Jüngling mächtig an. Er nannteJean Paul's Poesie eine Poesie der Zukunft, welche die Veredelungdes Menschengeschlechts von dem wiedererweckten Glauben an eine höhereWelt erwartet.

Auch im Theater kam Eichendorff mit den Gedichten der Roman-tiker in Berührung und lernte namentlich hier zuerst den König derromantischen Dichter, Calderon, in seiner ganzen Herrlichkeit kennen undlieben. Im benachbarten Bade Lauchstädt gaben die Mitglieder desWeimarischen Hoftheaters im Sommer Vorstellungen. Sobald dort dieAufführung eines klassischen Stückes angezeigt war, begann eine wahreVölkerwanderung nach dem kleinen Badeorte, wo man sogar die beidenOlympier Goethe und Schiller ganz wie andere gewöhnliche Menschen-kinder promeniren sehen konnte.

Im Herbst 1805 machten die beiden Brüder von Halle aus einegrößere Reise durch Norddeutschland, besuchten den Harz und Thüringen,hielten sich in Hamburg, Bremen und Lübeck sowie an der Nordseeeinige Zeit lang auf und verfehlten nicht, in Wandsbeck dem Lieblings-dichter ihrer Kinderjahre, dem wackern Wandsbecker Boten, ihre Ver-ehrung zu bezeugen. Daß die stille Majestät des Meeres auf Eichen-dorff einen besonder» Eindruck gemacht habe, finden wir in seinen Dich-tungen nicht; der Anblick der weiten Wasserfläche scheint an seineridyllisch gestimmten, frohem Naturgenuß zugeneigten Seele spurlos vor-über gegangen zu sein.

Im August des folgenden Jahres, des für Preußen und mit ihmfür Deutschland so verhängnißvollen Jahres 1806, verließen die Brüderdie Universität, welche einige Wochen darauf von Napoleon geschlossenwurde. Preußen hatte sich nach langer, wenig rühmlicher Neutralitätendlich zum Kriege entschlossen. Das Ende desselben war bei dem