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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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der Universitäten saßen Vertreter der neuen Richtung und weihtenahnungsreiche Neophyten in die Geheimnisse der romantischen Philo-sophie ein.

Eichendorff, dem streng gläubigen Katholiken, dem für alles Schöneund Ideale begeisterten Jüngling, dem warmen Patrioten und angehen-den Dichter mußte die neue Bewegung als eine Wiedergeburt deschristlichen deutschen Geistes erscheinen und frohe Hoffnungen ent-zünden. Ein verwandter Geist muthete ihn aus den Dichtungen derRomantiker an, welche ihm als katholische Poeten gelten mußten. Undnun traf er mit einem Manne zusammen, der mit zündenden Wortensich als einen Anhänger der Romantik bekannte und deren Philosophiein dichterischem Schwünge vortrug, mit Hendrik Steffens.Jung, schlank,von edeler Gesichtsbildung und feuerigem Auge, in begeisterter Redekühn und wunderbar nnt der ihm noch fremden Sprache ringend, sowar seine Persönlichkeit selbst schon eine romantische Erscheinung undzum Führer einer begeisterungsfähigen Jugend vorzüglich geeignet.Sein freier Vortrag hatte durchaus etwas Hinreißendes durch die dich-terische Improvisation, womit er in allen Erscheinungen des Lebens dieverhüllte Poesie mehr divinirte als wirklich nachwies" Z. Steffens' Ein-fluß auf seine Zeitgenossen war ein bedeutender und wirksam anregender.Das Elementarische seines Wesens riß die Jugend mit sich fort; dieNaturphilosophie hat ihm mehr zu danken als Schelling, und unserganzes geistiges Leben erhielt durch ihn bedeutende Anstöße ^). Als Dich-ter war er nicht hervorragend, obgleich seine, durch prächtige Natur-schilderungen sich auszeichnenden Novellen viel gelesen wurden. Steffens'Vorträge wurden, wie Eichendorff's Biograph versichert, für den jungenDichter eine Vorschule der Romantik; sein lebhaftes Naturgefühl fanddurch Steffens Erweiterung und Vertiefung, und der Kreis seiner poeti-schen Anschauung wurde schier in's Unendliche ausgedehnt.

Daneben lief eine eingehende liebevolle Beschäftigung mit denWerken der romantischen Dichter, von denen die hervorragendsten bereitsdie deutsche Leserwelt entzückten. Außer Novalis' Dichtungen, welche ihnbesonders anmuthen mußten, zogen ihn Tieck's Roman:Sternbald'sWanderungen", in welchem er die christliche Kunst in schwärmerischerDarstellung verherrlicht, sowie dessenGenovefa", das Hohelied der Ro-mantik, mit seiner durchaus katholischen Weltanschauung in hervorragen-dem Maße an. Tieck's glänzendes Talent, Natur- und Menschen-leben in märchenhaft scheinender Weise in einander zu verweben, seinwitzsprühender Kampf gegen die aufgeblasene Weltprosa, das sinnbe-

st Eichendorff, Verm. Schriften, V 300. st Haym, a. ll. O. 629.