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was poetisch ist, vom größten wieder mehrere Systeme in sich enthaltendenSysteme der Kunst bis zu dem Seufzer, dem Kuß, den das dichtendeKind aushaucht in bewußtlosem Gesänge." „Die romantische Poesie istUniversalpoesie."
Ohne Zweifel, die Romantiker hatten sich ein hohes Ziel gesetzt: Ver-söhnung des Zwiespalts zwischen dem Endlichen und Unendlichen durch diePoesie, Vergeistigung des Stoffes, Erweckung eines echt nationalen Sinnes,und Verherrlichung der christlichen Ideen in Leben und Kunst. Ein hohesZiel, aber vielleicht kein erreichbares. „Das eigentliche Wesen allerromantischen Kunst ist das tiefe Gefühl der Wehmuth über die Unzu-länglichkeit und Vergänglichkeit der irdischen Schönheit, und daher einestets unbefriedigte, ahnungsreiche Sehnsucht und unendliche Perfectibilität.Ihr ernster Geist ist am deutlichsten in der sogenannten gothischen Bau-kunst ausgeprägt, wo die Gedanken mit allem irdischen Blüthenschmuckaus der Tiefe sehnsüchtig zum Kreuz emporpfeilern in kühnen Bogen undMünstern, die fast niemals fertig geworden" st. Die Romantik wirktenicht allein auf Philosophie, Kunst und Poesie, sondern auf alle Zweigemenschlichen Wissens und Könnens, ja, sogar auf die Politik. Aber esist unmöglich und auch nicht die Aufgabe dieses Schriftchens, all' diesenEinflüssen bis in ihre vielfachen Irrwege nachzugehen.
So war das Allgemeinbild der deutschen Romantik, als Eichendorffnach Halle kam. Sie stand in hoher Blüthe. Novalis, als Dichterihr erster und bedeutendster Vertreter, war schon gestorben, im jugend-lichen Alter dahingeschieden. Er hatte mit vollem Bewußtsein undzweifelloser Bestimmtheit ausgesprochen, daß nur in der Rückkehr derVölker zur Religion die einzige Rettung liege. Er verwarf entschiedendie Reformation und pries die katholische Kirche. In seinem Roman„Heinrich von Ofterdingen" verherrlichte er als echter Romantiker dieMacht der Poesie und dichtete geistliche Lieder von großer Innigkeitund Tiefe. Wackenroder und Tieck versenkten sich in die christliche Kunst,in mittelalterliche Sage und Legende und brachten sie in ihren viel-gelesenen Dichtungen in schwärmerischer Begeisterung zur Darstellung.Die beiden Schlegel, weniger Dichter als feinsinnige Kritiker und Aesthe-tiker, versuchten die neue Richtung zu einem System auszubilden undentfalteten eine ungemeine Thätigkeit in Literaturgeschichte und Kritik.Begabt mit einem feinen Anpassungsvermögen und im Besitz großerSprachkenntniffe vermittelten sie dem deutschen Publicum in meisterhaftenUebersetzungen die Dichtungen fremdländischer Poeten, welche sie mitRecht oder Unrecht zu den ihrigen zählten. Sogar auf den Lehrstühlen
y Eichendorff, Gesch. d. poetischen Litteratur, I 44.