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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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Thüren der katholischen Kirche, vor das im Walddickicht versteckte undlängst vergessene Heiligthum hingeführt; kein Wunder daher, wenn sieihre Aufgabe, die zur guten Hälfte eine ethische war, vorzüglich als eineästhetische nahmen, und statt der sichtbaren lebendigen Kirche sich nicht seltenin einem träumerischen Halbdunkel mit einer bloßen poetischen Symbolikdieser Kirche, einer neuen christlichen Mythologie abzufinden suchten" ff.Eichendorff nennt es geradezu ein dilettantisches Katholisiren, das dieKirche fast als grandiose Kunstausstellung betrachte ff. Die Vertreter derneuen Richtung fanden für die vorhandenen Formen keinen würdigernGehalt als den nationalen, der mit dem religiösen auf das engste ver-knüpft war. Indessen erwuchs hieraus, aus dem Bedürfniß nach einemidealen Gehalt und dem Bewußtsein, daß er im Christenthum bezw. imKatholicismus gefunden werde, der erbitterte Kampf gegen den seichtenRationalismus und dessen Vertreter, die ingrimmig gehaßten Philister,auf welche nunmehr mit schmetternden Hörnern eine lustige Jagd begann.Es war ganz folgerichtig, wenn die jungen Männer den Keim desRationalismus in der Kirchenspaltung, in der Lostrennung vom blühendenBaume des Katholicismus fanden und demgemäß gegen die Reformationeiferten. Die Reformation, sagte Tieck, habe, statt der Fülle einer gött-lichen Religion, eine dürre, vernünftige Leere erzeugt, die alle Herzenschmachtend zurücklasse. Ein tieferer Geist als Tieck, der hochbegabtesittlich ernste Novalis sprach mit voller Ueberzeugung den Satz aus, daßnur die Religion Europa wieder auferwecken und die Völker versöhnenkönne. Die Reformation habe den Weg dahin nicht gebahnt, der Katho-licismus aber bedeute das volle, ungetrübte Christenthum. Später wurdenmanche hervorragende Vertreter der neuen Richtung, nachdem der dilettan-tische Katholicismus überwunden war, zu treuen Söhnen der Mutterkirche.

Die Philosophen der neuen Richtung gewannen diesen Weg nicht,sie wurden aber von großem Einfluß auf die Dichter, indem sie, nament-lich Schelliug, der Phantasie eine dominirende Stellung einräumten undihr bewußtloses Schaffen, welches angeblich dem der Natur vollkommenentsprach, als das höchste im Geistesleben bezeichneten. Diese Philosophiemußte auf die Dichter, weil sie in ihr den schroffsten Gegensatz gegenden Rationalismus fanden, den größten Einfluß ausüben. Mit Jubelnahmen die jungen Stürmer die neue Weltanschauung auf und bezeich-neten consequenterweise die Phantasieals die eigenthümliche Handlungs-weise des menschlichen Geistes". Daraus ergab sich von selbst die Oppo-sition gegen die antikisirende Richtung. Die antike Poesie wird charak-terisirt durch strengste Geschlossenheit der Form, stetes Reguliren der

ff Eichendorff, Gejch. d. Poet. Litteratur, II 4. ff Das. 31.