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lange wußten, nicht eben so gerührt waren und auf ihre alte Weise soruhig fortleben konnten" fl.
Bald regte sich in dem rastlos thätigen Knaben auch die Schaffens-lust. Er zeichnete Abbildungen von Pflanzen und Thieren und schmücktesie selbst mit Farben aus; auch entwarf er, im Anschluß an seine Lectüre,„die künstlichsten Schlachtenpläne", welche von ungewöhnlichem NachdenkenZeugniß gaben, und endlich verfaßte er, zehn Jahre alt, ein mehractigesTrauerspiel, dessen Stoff der römischen Geschichte entnommen war fl.Ohne Zweifel hat er in diesen Jahren auch bereits Lieder und Balladengedichtet, indessen ist von all' diesen literarischen Jugendsünden nichtserhalten geblieben. Daß er sich zum Drama wendete, hat seinen Grundnicht allein in der bekannten Thatsache, daß dichterisch veranlagte Geistersich beim ersten Regen ihres Genius gerade derjenigen Gattung der Poesiezuwenden, in welcher sie vorläufig am wenigsten zu leisten vermögen,sondern auch in der Anregung, welche ihm durch den häufigen Besuchvon Theater-Vorstellungen in den benachbarten Städten Ratibor undTroppau geboten wurde. Nebenbei hatte das romantische und regelloseLeben der wandernden Schauspieler so viel Anziehendes für Eichendorff,daß es sich seiner jugendlichen Phantasie unauslöschlich einprägte und
ihm werthvollen Stoff für seine spätern Novellen lieferte. Fraglich istallerdings wohl, ob die Jünger und Jüngerinnen Thaliens, die er injenen Städten sah, so interessante Gestalten waren, wie er sie späterin „Ahnung und Gegenwart" sowie in „Dichter und ihre Gesellen"
geschildert hat.
Wenn somit das geistige Leben des Knaben ein ungemein reges undvielseitiges war, so blieb doch seine körperliche Ausbildung in keiner Weisezurück. Er selbst liebte körperliche Hebungen aller Art in hohem Grade,und sein feueriges Temperament trieb ihn oft genug zu allerhand wag-halsigen Unternehmungen. So wenig wie Uhland, der gleich ihm in
seinen Gedichten als eine sinnige, träumerische Natur erscheint, war er inseiner Jugend ein Stubenhocker und in sich versenkter Grübler; das
Wandern in Gottes schöner Natur, das kecke Versuchen der eigenen Kraftund Gewandtheit war Beiden in gleichem Maße eigen, ja, eine Noth-wendigkeit. Eichendorff wurde ein fertiger Schwimmer und sattelfesterReiter, der vor keinem feuerigen Pferde zurückschreckte. Er ritt sehr gernund hat seiner Vorliebe für die edele Reitkunst häufig genug Ausdruck ge-geben in seinen Romanen und Novellen, wo all' die Helden sich uns alstüchtige Reiter zeigen, die mit ihren Pferden fast verwachsen scheinen. Mitseinem Vater machte er weite Jagdausflüge und lernte so die landschaft-
fl III 285. — fl IV 427.