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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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lichen Reize seiner Heimath und namentlich den unvergänglichen Zauberdes Waldes in vollstem Maße empfinden. Das angeborene lebhafteNaturgefühl des Knaben wurde durch diese ausgedehnten Streifzügemächtig gehoben und äußerte sich in überwallender Begeisterung. Erlebte mit und in der Natur und ward nicht müde, sie zu allen Tages-und Nachtzeiten in ihrem geheimnißvollen Zauber zu beobachten. Wieer empfand, bis zu welchem Grade seine Naturtrunkenheit sich steigerte,das zeigen uns seine Gedichte und Novellen.

Im Herbst 1801 wurde unser Dichter mit seinem Bruder Wilhelmdem Convicte in Breslau anvertraut, um das dortige katholische Mag-dabenen-Gymnasium zu besuchen. Die Schüler des Convicts standen unterbeständiger Aufsicht der Lehrer und führten ein Zusammenleben, welchesnur von gedeihlichem Einstuß sein konnte. Alljährlich fanden mehrereMusik-Aufführungen und zu Weihnachten und Fastnacht theatralischeVorstellungen von Seiten der Convictsschüler statt, an welchen sichEichendorff vielfach betheiligte. Einige Male trat er in weiblichen Rollenaus und spielte, mächtig unterstützt durch sein anmuthiges Aeußere, soausgezeichnet und mit so viel Grazie, daß er die Zuschauer zu lebhaftenBeifalls-Aeußerungen hinriß. Für die Musik hatte Eichendorff vielNeigung und Verständniß und förderte lebhaft alle Bestrebungen, welcheauf die Vorführung großer Tonschöpfungen abzielten; zur praktischenAusübung der Musik gelangte er jedoch nicht. Die Liebe für das Theaterund die dramatische Kunst, welche schon in frühester Jugend in demKnaben erwacht war, wurde in Breslau gehoben und in mancher Be-ziehung veredelt durch den häufigen Besuch des dortigen Theaters, welcherseltsamer Weise den Schülern des Convicts in ausgedehntem Maße ge-stattet wurde. Hier lernte Eichendorff neben einer Menge von jetzt ver-gessenen Opern und Schauspielen auch die Dramen Goethe's und Schiller'skennen, von denen namentlich die letzter« eine bedeutende Wirkung aufihn ausübten. Später urtheilte er über Schiller recht kühl und wurdedessen Schöpfungen in seinem BucheZur Geschichte des Drama's"keineswegs gerecht.

Wie im elterlichen Hause, so war Eichendorff auch in Breslau un-ermüdlich fleißig und zählte am Gymnasium zu den besten Schülern.Sein Eifer, sich Kenntnisse zu erwerben und namentlich die alten Klassiker allen voran den Dichter der Ilias und Odyssee kennen zu lernen,war so groß, daß er mit seinem Stubenkameraden im Winter 1803/4häufig ganze Nächte hindurch im ungeheizten Zimmer seinen Studienoblag. Glücklicher Weise war seine Gesundheit eine so gute und seinKörper durch Turnen und Baden so gestählt, daß dergleichen Ueberan-strengungen ohne schädlichen Einfluß auf ihn blieben; sein Stubenkamerad