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Die Lebensstimmung der Zeit ist am meisten durch NietzschesDichtung „Also sprach Zaratlmstra“ angeregt. In ihr wird „dasLeben“ behandelt wie ein menschliches Lebewesen, genauer wieeine geliebte Frau. Man kann nicht inniger, vertrauter, zärt-licher mit dem Leben sprechen, als es in den Tanzliedern geschieht,obwohl auch die Peitsche dazwischen klatscht. Hier bekommtdas Wort Leben wirklich einen neuen und eigentümlichen Zauber.Das Leben tritt uns zuerst persönlich nahe, um dann als Grundvon allem ins Zentrum der Welt und der Weltanschauung gerücktzu werden. In Versen, deren Worte sich zum Teil freilich mehrassoziativ durch Klänge als logisch miteinander verketten, undin denen man, je nach Geschmack, Ge danke nflucht oder Musikim Stil Richard Wagners finden kann, die zum Teil aber auch vonhinreißendem Schwung sind, gewinnt das Leben den lockendenverführerischen Goldklang und die neue blinkende Farbe.
Wer das Herz der Zeit (nicht das Herz der Welt) klopfenhören will, wird gut tun, hier aufzupassen. Ein Liebesverhältnisgeht der Dichter mit dem Leben ein, obwohl er weiß, daß er esmit einer reichlich problematischen Schönen zu tun hat. Alsdas Leben an ihm zweifelt, sagt er ihm oder ihr etwas ins Ohr,so leise, daß niemand anders es hören kann, aber doch so, daß essich erraten läßt. Es ist das Bekenntnis der absoluten Lebenstreueund zugleich das große WeltgeheimmsTvon dem Nietzsche langekaum zu reden wagte: die Lehre von der ewigen Wiederkehralles Lebens als Ausdruck höchster Lebensbejahung.
So erwächst aus der Lebensauffassung die Weltanschauung,aus der Wertung die Setzung des Seins, aus der „Axiologie“ die„Metaphysik“. Sie dringt in die Herzen, auch wenn sie die Köpfenicht zu bezwingen vermag. „Damals aber war mir das Lebenlieber als je alle meine Weisheit.“
Zarathustra gibt also nicht so sehr neue Lebensgedankenals neue Klänge und neue Gefühle für das Leben, aber geradesie haben auf die philosophische Stimmung der Zeit großen Ein-fluß geübt. Ehe Nietzsches Wirkung begann, hatte in Deutsch-land das Wort Leben w r ohl für niemand den Zauber, der heutefür viele an ihm haftet, und der auch dort herrscht, wo mannicht weiß, daß Nietzsche die Quelle für diese „Lebensweis-heit“ bildet. Schon aus diesem Grunde ist Nietzsche bei der