suchen wir in der nur intuitiv gerichteten Lebensphilosophievergeblich.
Im Grunde bedeutet auch das etwas, das längst selbstver-ständlich geworden sein sollte. Doch wenn Otto Erich Hart-leben in seinem „Halkyonier“ spottet:
„Es bleibt der Philosoph von Wert für alle Zeiten:
Er findet stets aufs neu die Selbstverständlichkeiten,“so brauchen wir diesen Spott nicht zu fürchten. Das Selbstver-ständliche muß immer wieder gesagt werden, wo das „Erleben“gegen das Denken ausgespielt wird. Nicht Inhalt oder Form,Anschauung oder Begriff, hat man beim Philosophieren zufragen. Wie öfter, so kommt es auch hier nicht auf das Ent-weder-Oder, sondern auf das Eine und das Andere in ihrer Ver-bindung an. Wir brauchen geformten Inhalt, gedachtes Leben,begriffene Anschauung, und in der Form des Denkens oder desBegriffs steckt das spezifisch wissenschaftliche' Moment. Gewißist die Denkform ohne anschaulichen Inhalt „leer“, aber siebildet trotzdem allein das theoretisch Differente. Der bloß an-geschaute Inhalt bleibt immer „blind“ und daher theoretischnichtssagend. Gegenüber dieser schlichten Wahrheit bricht jederLebens-Intuitionismus als Wissenschaft in sich zusammen, undzwar um so sicherer, je konsequenter er sich gestaltet.
Viertes Kapitel.
Lebensform und Lebensinhalt.
„Den Gehalt in deinem BusenUnd die Form in deinem Geist.“
Dauer im Wechsel.
Doch mit den Gedanken, die auf Anschauliches und Un-mittelbares gehen, ist die moderne Lebensphilosophie nicht er-schöpft. Wir haben ihre intuitiv und antirationalistisch ge-richteten Tendenzen für sich betrachtet und ihre Kritik voran-gestellt, weil‘sie den umfassendsten und allgemeinsten philo-sophischen Zug der Zeit darstellen. Zur Lebensphilosophie imengeren Sinne kommen wir erst, wenn wir außerdem noch einenengeren Lebensbegriff ins Auge fassen. Dann wird auch dieKritik der Denker einsetzen können, die sich selbst mit Em-phase Philosophen des Lebens nennen.