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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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der Denker, die für die Lebensphilosophie der neuesten Zeit be-zeichnend sind.

Da ist vor allem Friedrich N i et z sehe zu nennen.Er steht in direkter Abhängigkeit von Schopenhauer, wie er inseiner Jugend wußte, und ist, was er nicht immer wußte, alsPhilosoph in hohem Maße an Schopenhauer orientiert geblieben.Nur versah er später die meisten Begriffe seines Lehrers mitumgekehrtem Vorzeichen, besonders indem er das Unbefriedigt-sein des Lebenswillens durch einen bewußten Verzicht auf jedesJenseits des Lebens aufhob und sich freudig dem Leben selbstin die Arme warf.

Dabei wirkte wesentlich der Einfluß Richard Wagners undseiner Regenerationslehre mit, die ebenfalls eine Umbildungvon Schopenhauers Metaphysik im Sinne eines freilich noch rechtgemäßigtenOptimismus bedeutet.

Diese Zusammenhänge sind wenig beachtet, was um so auf-fallender ist, als der junge Nietzsche bekanntlich in den Dienstdes Wagnerschen Musikdramas trat und dabei Dionysos gegenApollo, d. h. den elementaren Lebensdrang gegen die Klarheit,oder denWillen gegen dieVorstellung ausspielte. Auchals Gelehrter und Philologe ergriff er damals schon die Partei desLebens gegenüber der Erkenntnis und der Wissenschaft, dieunlebendig machen. Später beeinflußte ihn die moderne Biologieund bestärkte mit ihrem zukunftsfreudigen Entwicklungsbegriffseine Lebensbejahung. So ist er zugleich das Bindeglied zwischender älteren und der neuesten Lebensströmung.

Vor allem aber wird Nietzsche deshalb in diesem Zusam-menhang wichtig, weil er mit ungewöhnlicher Sprachgewalt mehrals irgend ein anderer dem Wort Leben erst den Glanz verliehenhat, der heute für viele an ihm haftet. Weiter als bis zu Nietzschebraucht man daher zeitlich nicht zurückzugehen, wenn man zeigenwill, wiedas Leben ein allgemein verbreitetes philosophischesSchlagwort geworden ist, und wie die bekanntesten und einfluß-reichsten Philosophen unserer Zeit am besten alsPhilosophendes Lebens zu verstehen sind. Man muß sich nur gegenwärtighalten, daß hinter ihnen sachlich Goethe, deutsche Romantiker,Schopenhauer und in mancher Hinsicht auch Richard Wagnerstehen. Das gibt genug historische Perspektive.

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