Kierkegaard, für den man sich neuerdings bei uns vielfach interes-siert, und ebenso in Frankreich durch die Vermittlung von Ravais-son auf Bergson gewirkt.
Ferner mag mancher Lebensphilosoph unserer Tage an Goetheorientiert sein. So weist z. B. Oswald Spengler, der zu den Lebens-philosophen zu zählen ist, obwohl er sich nicht so nennt, aus-drücklich auf ihn hin. Doch geschieht das bisher nur vereinzelt.Im allgemeinen ist Goethes Philosophie, wenn man überhauptvon einer solchen reden will, ziemlich unbekannt oder wenigstensunverstanden.
Die Erinnerung an Goethe zeigt zugleich, daß selbstverständ-lich in diesem Zusammenhang nicht nur die wissenschaftlichenPhilosophen wichtig werden. Im übrigen sehen wir jedoch vonden genannten älteren Denkern ab.
Von direkter Bedeutung dagegen auch für die neueste Lebens-philosophie ist immer noch Schopenhauer, der populärste undgelesenste aus der älteren deutschen Philosophen-Generation,der sich an Schelling und zum Teil an Goethe anschloß. Zwarhat er das „Leben“ als Schlagwort ebensowenig wie seine Vor-gänger. Er nennt das, was heute Leben heißt, mit Schelling„Wille“. Doch spricht schon er vom „Willen zum Leben“ alsdem Kern der Welt, und es ist kein Zweifel,daß die Modephiloso-phie eng mit Schopenhauers Willensmetaphysik verknüpft ist.Diese fragt nicht nach den besonderen Formen und Gestaltungendes Lebens, sondern nach dem ungestalteten, durch nichts außer-halb des Lebens geformten Lebenswillen selbst. Sie lehrt, daßder Wille vergeblich nach etwas anderem, jenseits des LebensLiegendem strebt, weil es eben kein Jenseits gibt, und daß wirdaher als lebendige oder wollende Menschen zu dauerndem Unbe-friedigtsein verurteilt sind.
Auch sonst fördert die Lektüre Schopenhauers die Tendenzauf das Elementare, triebhaft Unmittelbare im Gegensatz zumAbgeleiteten, Verstandesmäßigen und Reflektierten. Erst spätersind zu diesen Gedanken noch andere, der Naturwissenschaft, be-sonders der Biologie, entstammende Ideen hinzugetreten undhaben die Lebenslehre gefärbt und bestimmt. Doch gehen wirzunächst auf diese geschichtlichen Zusammenhänge nicht weiterein, sondern beschränken uns auf eine kurze Charakterisierung