ihrer Prinzipienlosigkeit mit Freuden zu begrüßen sind. Zu-nächst haben sie uns jedenfalls die Fragwürdigkeit des Lebensund der Werte gezeigt, und das bedeutet für die Philosophieschon sehr viel.
Theorie freilich und nur Theorie, also „grau“, wird auchdie umfassendste Philosophie des Lebens bleiben und sich inso-fern immer vom goldenen Baum des grünen, vitalen Lebensunterscheiden. Doch sogar falls man das beklagt, kann man esnicht ändern wollen, sobald man die Notwendigkeit erkannt bat.Und man sollte es nicht beklagen. Gerade wer das Leben liebt,muß als Philosoph lernen, daß Erkennen und Leben zu trennensind. Je besser er nämlich sich so in seinem Wesen selbst ver-steht, um so weniger ist er der Gefahr ausgesetzt, als Theoretikerdes Lebens dem Leben feindlich zu werden. Nur dort, wo mandem Denken über das Leben die nie zu lösende Aufgabe stellt,das lebendige Leben in sich aufzunclimen und dadurch selbstlebendiges Leben zu werden, wird man aus der Enttäuschungdarüber, daß dies nicht gelingt, die Philosophie als lebensfeind-lich anklagen.
Man sollte es endlich aufgeben, im Philosophieren über dasLeben ein bloßes Wiederholen des Lebens zu sehen und dannden Wert des Philosophierens an seiner Lebendigkeit zu messen.Philosophieren heißt Schaffen, und die Einsicht in den Abstanddes Geschaffenen vom bloß gelebten Leben, zu welcher auch dieLebensphilosophie unserer Tage, trotz ihrer unwissenschaftlichenLebensprophetie und der sieb aus ihr ergebenden antitheore-tischen Verschiebung des Wertakzentes, in ihrer Weise viel bei-getragen hat, muß dann sowohl dem Leben als auch der Philo-sophie zum Segen gereichen. Nur wer verstanden bat, daß dasLeben des Lebens und das Erkennen des Lebens auseinander-fallen, kann ein Philosoph des Lebens werden, der sowohl dasLeben liebt als auch über das Leben nachdenkt.
Warum muß, wie in Zarathustras Tanzlied, das Leben aufdie Weisheit „eifersüchtig“ sein? Nie wird das Leben weise, undnie wird die Weisheit lebendig werden. Gerade deshalb aber,weil sie stets in verschiedenen Sphären bleiben, sollten sie sichgut miteinander vertragen können. Auch zur „Lebensweisheit“wollen wir sie nicht zu vereinigen suchen, denn an „Weisheit“