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lieber als seine Weisheit.
Auch das Preisen des Willens zur Macht ist ohne jedestheoretische Fundament. Was •will Nietzsche einwenden, wennein Mann wie der von ihm hoch verehrte Jakob Burckhardt unterBerufung auf Schlosser erklärt, „daß die Macht an sich böse“sei, oder sagt: „Der Stärkere ist als solcher noch lange nicht derBessere. Auch in der Pflanzenwelt ist ein Vordringen des Ge-meineren und Frecheren hie und da erweisbar“? 1 ). KannNietzsche den Historiker der Renaissance, von dem er so vielgelernt hat, deswegen zu den Sklaven zählen? Mit dem bio-logischen Begriff des aufsteigenden Lebens ist hier nichts zumachen. Da steht Werturteil gegen Werturteil. Das aber be-deutet: die Basis dieser Lebensphilosophie ist ein Akt der Will-kür. Nietzsche würde das vielleicht nicht bestritten haben.„Ob ich ein Philosoph bin? Aber was liegt daran?“ Mit Nietzscheallein haben wir es jedoch nicht zu tun. Seinen Anhängern,die aus seiner Lebensprophetie eine Lebensphilosophie machenwollen, ist ins Bewußtsein zu bringen, daß diesem Versuch jedestheoretische Fundament fehlt.
So kommen wir auch beim Biologismus zu demselben Re-sultat wie beim Intuitionismus des Erlebnisses: es fehlt an einemwissenschaftlich-philosophischen Prinzip sogar dann, wenn mansich auf eine Deutung des menschlichen Lebens beschränkt.Wohl hebt der Biologismus das lebendige Leben aus der Fülleder Erlebnisse überhaupt heraus und bestimmt damit den Begriffdes Lebens. Das ist sein Vorzug gegenüber dem vagen Erlebnis-gerede. Aber auch ihm fehlt das Prinzip der Auswahl, umsinnvolles und sinnloses Leben von einander zu scheiden. Aucher ist daher, wie die Erlebnisphilosophie und der Historismusder Lebensphilosophie, in Gefahr, in der Fülle des Lebens zuersticken. Aus dem Lebenschaos wird ein Lebenskosmos nurdurch einseitige partikulare Betrachtung, also kein Kosmos, derdiesen Namen verdient, keine Weltanschauung, und mit Rück-sicht auf die Lebensanschauung, d. h. die Wertprobleme, kommtder Biologismus über ein Wertchaos nicht hinaus. Gerade dieHerausarbeitung des Wertkosmos aber wäre seine Aufgabe, falls
1) Weltgeschichtliche Betrachtungen. 1905. S. 33 und 265.