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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
Entstehung
Seite
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umgekehrt aus, als die Schule Darwins wünscht, als man viel-leicht mit ihr wünschen (!) dürfte: nämlich zu Ungunsten derStarken, der Bevorrechtigten, der glücklichen Ausnahmen. DieGattungen wachsen n i ch t in der Vollkommenheit: die Schwachenwerden immer wieder über die Starken Herr, das macht, siesind die große Zahl, sie sind auch klüger . . . Darwin hat denGeist vergessen (das ist englisch), die Schwachen haben mehrGeist . .

Steckt darin nicht eine schlagende Widerlegung jederbiologistischen Lebensphilosophie? Wenn die Schwachen überdie Starken siegen, mit welchem Recht nennt man sie nochdie Schwachen? Haben sie nicht, wo sie die angeblich Starkenzu besiegen vermögen, gezeigt, daß sie die eigentlich Starkensind? Das Leben, das sich durchzusetzen vermag, wird derkonsequente Biologismus immer als das starke, aufsteigende Lebenbezeichnen müssen.

Wenn Nietzsche trotzdem gegen die Menge der angeblichSchwachen für die einzelnen, angeblich Starken Partei ergreift,so wendet er einen andern Maßstab an als den des aufsteigenden,starken Lebens. Er trägt Werte, die ihm vorher feststehen,von außen an das Leben heran. Wir wissen auch, welche essind. Wir brauchen nur an seine geistige Herkunft zu erinnern.Sein aristokratischer Individualismus war ursprünglich nicht bio-logisch begründet, sondern hinter ihm steht das romantischePrinzip, das Schopenhauer verächtlich von der Fabrikware derNatur reden läßt. Auch in dieser Hinsicht ist Nietzsche Roman-tiker geblieben. Er liebt den großen Einzelnen, besonders dasGenie. Das Volk ist ihm ein Umweg, auf dem die Kultur zuden Wenigen kommt. Das bestimmt in Wahrheit seine Welt-anschauung. Erst nachträglich wird sie antidarwinistisch-bio-logistisch zu rechtfertigen versucht. Der konsequente Biologistmüßte immer für das siegreiche Leben, eventuell also für dieVielen eintreten. So beweist gerade Nietzsche, daß die Lebendig-keit des Lebens sich zum Verständnis seinerWerte in keiner Weiseeignet. Der Romantiker in ihm durchbricht die biologistischeFessel, die er sich selbst angelegt hat, und klagt ein sonder-barer Lebensphilosoph schließlichdas Leben an, daß esseine Güter vernichtet! Es ist ihm also doch wohl nicht immer