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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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er den Anspruch, wissenschaftliche Klarheit über die Lebens-anschauung zu geben, erfüllen wollte. Es bleibt schließlich da-bei, daß jeder das lebendig nennt, was er liebt, und unlebendigoder tot, was er nicht leiden mag. Verzichtet man überhauptdarauf, sinnvolles und sinnloses Leben zu scheiden, so verzichtetman damit zugleich auf jede Lebensanschauung, und das wirdgerade der lebendige Mensch nicht wollen.

Zarathustra spricht:Ihr habt den Weg vom Wurm zumMenschen gemacht, und vieles ist in Euch noch Wurm." Istdas ein Resultat reiner Lebensphilosophie? Gewiß nicht. Ver-steht man unter der Beschwörung: bleibt der Erde treu, dasVerlangen, daß wir uns an das bloße Leben halten, so wird mannicht sagen dürfen, daß im Menschen vieles noch Wurm ist,sondern daß niemals aus ihm etwas anderes als Wurm werdenkann und soll. Bei dem Versuch, sich auf das Leben zu be-schränken, muß der konsequente Lebensphilosoph zu einem Er-gebnis kommen, welches sich in die Worte Fausts kleiden läßt:

Den Göttern gleich ich nicht! Zu tief ist es gefühlt;

Dem Wurme gleich ich, der den Staub durchwühlt,

Den, wie er sich im Staube nährend lebt,

Des Wandrers Tritt vernichtet und begräbt.

Für den Biolögisten besteht die trostlose Alternative: Gott oderWurm. Und Götter sind wir nicht.

Aber Würmer sind wir auch nicht, so gewiß wir zu erkennenvermögen, daß Vieles in uns noch Wurm ist. Kein Wurm ver-steht sich als Wurm. Sich als Wurm erkennen, heißt: mehr alsWurm sein, und jede Philosophie ist daher gerichtet, die das,worin wir nicht Wurm sind, nicht zu verstehen vermag. DerBiologismus ist dazu außerstande. Sein aufsteigendes Lebenhilft bei dem Versuch einer Deutung des Lebens nichts. Solldas Auf steigen nicht leere Phrase sein, so muß man die Wertekennen, an denen Aufstieg und Niedergang des Lebens zu messensind. Lehnt man das ab, so bleibt an der Philosophie des auf-steigenden Lebens nicht viel Philosophie. Sie ist dann, so heftigihre Vertreter sich dagegen sträuben mögen, lediglich eine dervielen Formen des Skeptizismus und Nihilismus. Das zeitgemäßeLebensgewand sollte darüber Niemanden täuschen, der Klarheitder Begriffe anstrebt.