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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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denn schon dadurch, daß wir das, was wir unmittelbar erleben,Leben oderLebenswirklichkeit nennen, und nun, statt dasLeben zu erleben, theoretisch diese Bedeutung des Wortes,Le-ben erleben, hört das, was wir dabei erleben, auf, unmittel-bar erlebtes Leben zu sein. Jede theoretisch verständliche Be-zeichnung nimmt dem Leben seine unmittelbar reale Lebendigkeit.Es kommt durch den NamenLeben, den wir theoretisch ver-stehen, in die Sphäre des Begriffs und ist getötet. Das bloßeErleben des realen Lebens ist stumm geboren und kann nie eineSprache finden. DasWesen der realen Welt muß, um seineUnmittelbarkeit und Realität nicht zu verlieren, anonym bleiben.

Diese Einsicht hat gewiß ihren Wert. Doch bringt sie unsnur zum Bewußtsein, wie fern alle Erkenntnis vom realen Lebenabliegt. In dem Augenblick, in dem wir mit dem Erkennenbeginnen, hören wir auf, n u r zu leben oder nur Lebendiges undunmittelbar Reales zu erleben. Keine Lebenslehre, keine Philo-sophie des Lebens enthält das reale Leben selbst. Philosophiefängt, ebenso wie andere Wissenschaften, immer erst an, wennman sich das unmittelbar reale Leben als etwas fremdes gegenüber-gestellt hat und so selber dem realen Leben fremd, also un-lebendig geworden ist. Gerade durch den Hinweis auf die Un-mittelbarkeit des Lebens wird der Antagonismus zwischen Wissen-schaft und wirklichem Leben deutlich, wobei wir noch ganz davonabsehen, daßRealität oderWirklichkeit selbst nur Er-kenntnisformen sind und als solche nicht zum realen oder wirk-lichen Leben gehören. In dieser transzendentalphilosophischenHinsicht wollen wir den Gedanken, wie unmöglich es ist, beimPhilosophieren über das Leben sich auf das Leben zu beschränken,nicht ausführen. Das würde uns weit von aller Lebensphilosophieder Zeit weg zu den zeitlosen philosophischen Problemen bringen.

Es genügt, wenn wir feststellen: die Anklagen der Lebens-philosophie gegen den Begriff kommen auf eine Halbheit hinaus.Gewisse Arten von Begriffen werden in ihrer Unlebendigkeitdurchschaut. Andere übernimmt man völlig unkritisch. Manmache doch Ernst mit der Einsicht, daß alle Begriffe das realeLeben nicht so enthalten, wie man es erlebt, und daher auch nichtdie unmittelbare Lebenswirklichkeit erfassen. Dann wird manden hoffnungslosen Versuch auf geben, das Leben, wie es erlebt