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Der Metaphysiker will doch ebenfalls über das Leben denken,wenn er Metaphysik treibt, und dabei muß er das Leben, ge-rade falls es das Welt prinzip sein soll, in eine Form bringen.Ja er muß, will er überhaupt vom Leben theoretisch verständlichreden, einen Begriff davon bilden, also das Leben in seiner un-mittelbar erlebten Wirklichkeit töten. Gewiß ist der Mechanis-mus nicht das „Wesen“ der realen Welt, aber „das Leben“ istes auch nicht. Die biologistische Lebensmetaphysik erklärt dasallein für wahrhaft real, was unmittelbar erlebt wird. Deshalbsoll das All der Welt „Leben“ heißen. Daß nur unmittelbar Er-lebtes real sei, kann man wohl sagen, aber dann muß man, umkonsequent zu bleiben, weitergehen und hinzufügen: was alsRealität unmittelbar erlebt wird, kann nie erkannt werden. Alsogibt es keine Metaphysik des Lebens.
Das bloße Erleben des Lebens ist kein Erkennen des wirk-lichen Lebens. Alles Erkennen bedeutet ein Abrücken des zuErkennenden vom Leben, ein Verlegen in eine Sphäre, in deres kein unmittelbar reales Leben mehr gibt. Es ist nicht einzu-sehen, wie die biologistisch orientierte Metaphysik des Intuitionis-mus hiervon eine Ausnahme bilden sollte. Alle ihre irrationa-listischen Gedanken, die den Abstand von Begriff und Wirklich-keit zum Bewußtsein bringen und zum Teil sehr interessant sind,richten sich gegen sie selbst. Warum bleibt sie nicht konsequent?Dann müßte sie sich selbst vernichten. Das Leben als das un-mittelbar Reale läßt sich nur erleben. Es spottet als unmittel-bares Leben jedem Erkenntnisversuch.
Diese Einsicht mag man nun freilich auch eine „Erkenntnis“des Lebens und der Realität nennen, aber falls die Metaphysikdes Lebens nichts anderes sagen will als dies, dann ist sie zu-gleich in dem einen einzigen Satz beschlossen: die unmittelbarerlebte, also wahrhaft reale Welt ist das Leben. Jede weitereAusbildung einer solchen „metaphysischen“ Wahrheit würde zueiner begrifflichen Bearbeitung des realen Lebens und damit zuseiner „Tötung“ führen.
Ja sogar damit, daß man sie auf den einen Satz einschränkt,ist der Lebensmetaphysik noch zu viel zugestanden. Nichteinmal die Behauptung, alles unmittelbar erlebte, also wahrhaftreale Sein sei Leben, erfaßt das Reale in seiner Ursprünglichkeit,
Sickert, Philosophie d. Lebens. 2. Aufl. 8