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haus haben wir bereits bei Dientzenhofer (Thüren des Parade-zimmers in Pommersfelden) kennen gelernt, wie auch die Ver-wendung von Hermen dort, freilich nur in Stuckplastik, ihr Ge-genstück hat.
Trotzdem geschieht es nur mit allem Vorbehalt, wenn ichals den mutmasslichen Erbauer des Prellhauses Johann Dien-tzenhofer bezeichne. Denn es spricht sich in diesem Gebäudeeine viel schwülstigere Empfmdungsweise aus, als wir sie anden sonstigen Werken des Meisters wahrgenommen haben.
Stilistische Erwägungen ermöglichen es, als ungefähre Enl-stehungszeit für das Gebäude den Zeitraum zwischen Vollendungdes Bamberger Residenzbaues und Pommersfeldener Mittelbauesabzugrenzen. Zur näheren Begründung dieser Annahme sei esgestattet, einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung desOrnaments um die Wende des 17. Jahrhunderts zu geben, wo-bei in erster Linie die Stuckplastik beigezogen werden muss.
Den Ausgangspunkt für die fränkische Dekorationsweisescheint ebenso wie für die Architektur das Kloster Wald-sassen gebildet zu haben; die italienischen Stuckmotive desGiovanni Lucchese und des berühmten Giovanni Battista Carlone 1kehren in unverfälschter Weise in den Arbeiten des BambergerStuckateurs Johann Jakob Vogel wieder. Aber der deutscheMeister fügt den italienischen Elementen, die aus dem Kar-tuschenwerk, der fleischigen Akanthusranke, den eingestreuten rnaturalistisch treuen, pflanzlichen Motiven, und der Eichblatt-guirlande bestehen, noch ein charakteristisch deutsches bei: dieunruhige kleinblättrige Ranke; die Vorliebe für eingeflochlenefigürliche Darstellungen (Putti, Genien, allegorische Gestalten)hat er mit seinen Vorbildern gemein. In diesen allgemeinenFormen tritt uns die Stuckplastik an den Plafonds der Bam-berger Residenz entgegen (Tafel 28—30); nur in einem (Tafel30) derselben regt sich bereits die neue Verzierungsweise, inwelcher dem Bandwerk eine überwiegende Rolle zugewiesenist. In der Banzer Kirche (1714), in der Ebracher Aula (1719)sehen wir dasselbe vollkommen ausgebildet. Während derPommersfelder Stuckateur Schenk in seiner derben Weise die
1 War aus Mailand berufen worden. Binhack S. 135.